Der deutsche Bundespräsident Roman Herzog hatte ins Schloß Bellevue eingeladen. Rund 550 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen zum Essen auf die Schloßterrasse. Die Palette der Persönlichkeiten reichte vom israelischen Botschafter Avi Primor bis hin zu Deutschlands bekanntestem Schnapsbruder Harald Juhnke.
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Der deutsche Bundespräsident Roman Herzog hatte ins Schloß Bellevue eingeladen. Rund 550 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen zum Essen auf die Schloßterrasse. Die Palette der Persönlichkeiten reichte vom israelischen Botschafter Avi Primor bis hin zu Deutschlands bekanntestem Schnapsbruder Harald Juhnke. Anlaß für das nette Stelldichein war ein respektabler Akt: Dem US-Regisseur und Filmproduzent Steven Spielberg wurde das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Mit diesem Kreuz werden deutsche Staatsbürger und Ausländer ausgezeichnet, die sich besondere Dienste um die Bundesrepublik erworben haben. Der 1947 geborene Spielberg wurde mit kommerziell erfolgreichen Actionfilmen wie "Der weiße Hai", "E.T." und "Jurassic Park" zum Superstar hinter der Kamera. Doch dann machte er plötzlich mehr politische Inhalte zum Thema seiner Filme und griff dafür auf seinen jüdischen Hintergrund zurück. Dabei kam der Holocaust-Film "Schindlers Liste" heraus, für den er nach 12 Oscars nun auch das Bundesverdienstkreuz erhielt. Spielberg "zaubere Bilder, die in den Köpfen der Menschen hängenbleiben und Teil ihres Denken und ihrer Weltsicht werden". Er habe mit dem Film Maßstäbe für den Umgang mit dem sensiblen Thema Holocaust gesetzt, so der Bundespräsident. Der Hollywood-Star wurde aber nicht nur für "Schindlers Liste" ausgezeichnet. Herzog würdigte auch die vom US-Produzenten gegründete Shoa-Stiftung, die weltweit die Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden durch gefilmte Interviews dokumentiert. Spielberg stellte bei seinem Deutschlandbesuch erstmals die CD-Rom seiner Stiftung vor, die nach 48.000 Interviews mit Überlebenden des Holocausts in 55 Ländern und in mehr als 30 Sprachen gemacht wurde. Bei den aufgezeichneten Gesprächen geht es nicht nur um die Schilderungen jüdischer Überlebender, sondern auch um Gespräche mit Sinti und Roma, Homosexuellen und politischen Gefangenen. Die CD-Rom ist interaktiv einsetzbar. Der Benutzer ruft per Mausklick Fotos der Erzählenden, Landkarten oder Stichwörter auf. Ab 1999 soll das Shoa-Archiv, das gegen das Vergessen kämpft, auch über Internet einzusehen sein. In einem Interview des Norddeutschen Rundfunks sagte Spielberg, daß Bildung das einzige sei, was gegen Rassenhaß helfen könne. Außerdem müßten Juden aufhören, Opfer zu sein, und sollten sie Vorurteile mit Toleranz bekämpfen. Wer glaubt, daß Steven Spielberg nach "Schindlers Liste" zur Nummer eins der Hollywood-Moralapostel avanciert ist, der irrt, denn der Meister sagt selbst: "Aber glauben Sie bitte nicht, daß ich mich jetzt zum Propheten machen möchte".der Schnapsbruder : drinkebroer.