Die Abtreibung wird in Deutschland für rechtswidrig gehalten. Der Schwangerschaftsabbruch wird aber unter bestimmten Bedingungen nicht unter Strafe gestellt.
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Die Abtreibung wird in Deutschland für rechtswidrig gehalten. Der Schwangerschaftsabbruch wird aber unter bestimmten Bedingungen nicht unter Strafe gestellt. Nach den Paragraphen 218 und 219 müssen Frauen vor der Abtreibung schriftlich nachweisen, daß sie in einer staatlich anerkannten Stelle beraten wurden. Nur dann bleibt der rechtswidrige Eingriff straffrei. Die katholische Kirche betreibt über die Caritas 270 solcher Beratungsstellen, in denen das für die Abtreibung erforderliche Papier ausgestellt wird. Vor mehr als einem Jahr hatte Papst Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe aufgerufen, diese Beratungsarbeit in ihrer jetzigen Form zu beenden, denn wer predige "Du sollst nicht töten", könne nicht gleichzeitig Papiere für die straffreie Abtreibung ausstellen. Die meisten der deutschen Bischöfe bangen nun, daß die Kirche in Deutschland durch das Ausscheiden aus der Schwangerenberatung gesellschaftlich ausgegrenzt wird und den Kontakt zu den Frauen verliert, die eine Schwangerschaft in Erwägung ziehen. Die Kirche sieht sich hier sicherlich nicht nur in ihrer seelsorgerischen Aufgabe behindert, sondern dürfte auch um ihre Einflußnahme bei der Schwangerenberatung bangen. Immerhin hätten sich 25 Prozent der über zwanzigtausend bei ihr Rat suchenden Frauen gegen einen Abbruch der Schwangerschaft entschieden. Aufgrund des päpstlichen Rüffels haben Bischöfe und kirchliche Arbeitsgruppen während eines Jahres versucht, ihre Position zu diesem Thema neu zu definieren und somit Politiker aller Couleur und 27 Millionen deutsche Katholiken auf die Folter gespannt. Das Ergebnis ihrer langen Überlegungen teilten die deutschen Bischöfe jetzt mit: Ein Konsens könne nicht gefunden werden, deshalb wolle man sich auch nicht für oder gegen eine weitere Mitarbeit im staatlichen System der Schwangerenberatung aussprechen und überlasse dem Papst nun die letzte Entscheidung. Während die Entscheidung ihres obersten Hirten noch aussteht, haben die zum Konsens unfähigen Bischöfe sich nachdrücklich gegen die Zulassung der Abtreibungspille RU 486 ausgesprochen. Nachdem Kölns Erzbischof Meisner die Abbruchpille mit Zyklon B verglichen hatte, riefen Abgeordnete von SPD, Grünen und CDU die Bischöfe auf, sich zu mäßigen.die Abtreibung : abortus. die Beratung : advies. die Entscheidung : beslissing. seelsorgerisch (hier): herderlijk. unfähig : onbekwaam.