Der Schriftsteller Stefan Heym, alias Helmut Flieg, schrieb in seinem 1988 veröffentlichten "Nachrufô: "In Fragen von Krieg und Frieden muss man sich bekennen, nicht weil man ein Held sein möchte oder ein Märtyrer, sondern wegen des allmorgendlichen Blicks in den Rasierspiegelô.
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Der Schriftsteller Stefan Heym, alias Helmut Flieg, schrieb in seinem 1988 veröffentlichten "Nachrufô: "In Fragen von Krieg und Frieden muss man sich bekennen, nicht weil man ein Held sein möchte oder ein Märtyrer, sondern wegen des allmorgendlichen Blicks in den Rasierspiegelô. Heym wurde am 10. April 1913 in Chemnitz als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Das dortige Gymnasium musste er 1931 wegen eines antimilitaristischen Gedichts verlassen. Nach dem Abitur begann er in Berlin das Studium der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften. Er nahm das Pseudonym Stefan Heym an und floh nach Prag, wo er als Journalist arbeitete. 1935 siedelte er in die USA über und beendete seine Studien an der Universität von Chicago. Von 1937 bis 1939 war er Chefredakteur der antifaschistischen New Yorker Wochenzeitung "Deutsches Volksechoô. Heym trat in die US-Armee ein und nahm als Sergeant für psychologische Kriegsführung an der Invasion in der Normandie teil. Er war 1945 in München einer der Mitbegründer der Zeitung "Neue Zeitô. 1948 veröffentlichte er den Kriegsroman "The Crusadersô, der ein Welterfolg wurde. Aus Protest gegen den Koreakrieg gab Heym der US-Regierung 1952 alle militärischen Auszeichnungen zurück und siedelte mit seiner amerikanischen Frau nach Ost-Berlin über. Nachdem Heym einige Jahre für das SED-Blatt "Berliner Zeitungô geschrieben hatte, setzte er sich als Schriftsteller intensiv mit dem DDR-Regime auseinander. Für ihn hatte dieses Regime "den Sozialismus zu einem Zerrbild der Idee entstelltô. Heym wurde für die SED immer unbequemer und schließlich aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Er hielt die deutsche Wiedervereinigung für "möglich und naturgegebenô. Nach dem Mauerfall setzte er sich für eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik ein. In den 90er-Jahren engagierte er sich in der SED-Nachfolgepartei PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), in der er einen "Prozess innerer Wandlungô erkannte. Stefan Heym starb am 16. Dezember 2001 im Alter von 88 Jahren in Israel. In seinem Testament hatte Heym verfügt, dass er auf dem Jüdischen Friedhof von Berlin-Weißensee begraben werden und auf seinem Grabstein nur sein Name und Geburts- und Sterbedatum stehen solle. Der Grabstein, der aus einem israelischen Steinbruch gehauen wurde, konnte bisher noch nicht aufgestellt werden. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist dagegen, weil auf dem Stein der in der Friedhofsordnung von 1999 vorgeschriebene Davidstern und die fünf hebräischen Schriftzeichen fehlen. Inge Heym, die Witwe des Schriftstellers, besteht jedoch auf den 1981 schriftlich festgehaltenen letzten Willen ihres Mannes. Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde lehnte aber mit großer Mehrheit eine Ausnahmeregelung für Heym ab, obwohl Inge Heym gegen eine neben dem Grabstein aufgestellte Tafel mit Davidstern und hebräischer Inschrift nichts einzuwenden hätte. "Er war lange auf der Flucht und findet nicht mal jetzt seine Ruheô, sagte Inge Heym. ablehnen: weigeren. fliehen: vluchten. der Friedhof: kerkhof. der Schriftsteller: schrijver, auteur. die SED: Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (DDR) übersiedeln: verhuizen. der Welterfolg: wereldsucces. das Zerrbild: vertekend beeld.