Karl Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz ist befördert worden. Papst Johannes Paul II., Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, hat angekündigt, Lehmann am 21. Februar ins höchste Gremium seiner Kirche zu nominieren: Der Mainzer Bischof Karl Lehmann wird Kardinal.
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Karl Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz ist befördert worden. Papst Johannes Paul II., Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, hat angekündigt, Lehmann am 21. Februar ins höchste Gremium seiner Kirche zu nominieren: Der Mainzer Bischof Karl Lehmann wird Kardinal. Damit hat nun wirklich niemand gerechnet, denn Lehmann gilt nicht gerade als besonders papsttreu. Zwischen den beiden war es in der Vergangenheit bei wichtigen kirchenpolitischen Themen immer wieder zu starken Meinungsverschiedenheiten gekommen. Lehmann hatte sich für die Zulassung 'geschiedener Wiederverheirateter' zu den heiligen Sakramenten eingesetzt, Vorstöße zur Abschaffung des Zölibats für die Priester unternommen, Äußerungen über einen möglichen Rücktritt des kranken Papstes gemacht und in Rom entschieden gegen einen Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung gekämpft. Weshalb der Papst Lehmann diese Sünden so plötzlich vergibt und ihn ins Wahlkollegium für seinen Nachfolger bestellt, ist ein vatikanisches Mysterium. Der kirchen-kritische Theologe Hans Küng ist der Überzeugung, dass die Ernennung Lehmanns als Selbstkorrektur des Papstes zu werten ist. Man habe in Rom gemerkt, dass man sich von den deutschen Katholiken entfremde, wenn man auf dem bisherigen Kurs weitersteuere. Die italienische Presse, die sich intensiv mit der Nominierung Lehmanns beschäftigte, vermutet, dass die Intervention von Altkanzler Helmut Kohl dahinter steckt. Es ist sogar von einer Teilung der katholischen Welt in zwei Lager die Rede. Das eine würde vom konservativen Kardinal Joseph Ratzinger und das andere vom aufgeklärten Karl Lehmann dominiert. Darüber, weshalb und warum Lehmann nun plötzlich Kardinal wurde, können Vatikanisten noch lange rätseln, aber gerade sie sollten wissen: Viele Wege führen nach Rom. Dafür ist Bischof Lehmann das beste Beispiel. Er erhielt 1963 die Priesterweihe in Rom und kehrt nun als angehender Kardinal in die Ewige Stadt zurück.angehend: toekomstig. aufgeklärt (hier): vooruitstrevend, progressief. befördern (hier): bevorderen. das Gremium (hier): college. die Schwangerenkonfliktberatung: in Duitsland had de katholieke kerk begeleidingsdiensten voor zwangere vrouwen, die een abortus overwogen. Ze werden op bevel van de paus gesloten. entschieden: vastberaden. die Meinungsverschiedenheit: meningsverschil. einen Vorstoß unternehmen (hier): de wens uiten. das Zölibat: celibaat.