1927 fotografierte Lux Feininger, der älteste Sohn von Maler Lyonel Feininger, den Treppenaufgang des Bauhauses in Dessau. 1933 malte Oskar Schlemmer nach Vorlage dieses Fotos das für den Bauhaus-Gedanken des ganzheitlichen Kunstbegriffs exemplarische Werk 'Die Bauhaustreppe'.
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1927 fotografierte Lux Feininger, der älteste Sohn von Maler Lyonel Feininger, den Treppenaufgang des Bauhauses in Dessau. 1933 malte Oskar Schlemmer nach Vorlage dieses Fotos das für den Bauhaus-Gedanken des ganzheitlichen Kunstbegriffs exemplarische Werk 'Die Bauhaustreppe'. Heute, fast 70 Jahre später, ist ein heftiger Streit um das Bild entbrannt, und es wird sicherlich noch lange dauern, ehe feststeht, wer Schlemmers Treppe tatsächlich besitzen darf. Vom Herbst 1999 bis zum 9. Januar dieses Jahres war das berühmte Bild in der Berliner Festspiel-Ausstellung 'Das XX. Jahrhundert' zu sehen. Am 10. Januar verlangte ein Anwalt der Schlemmer-Erbengemeinschaft und ein Gerichtsvollzieher vom Kurator der Ausstellung die Herausgabe des Bildes. Die Erben behaupteten das Bild gehöre ihnen. Der Kurator rückte das Bild jedoch nicht raus, schließlich sei es wieder an den Besitzer und Leihgeber, das New-Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zurückgegangen. Die Erben ließen nicht locker und wandten sich nun gegen die für das Schlemmer-Archiv zuständige Stuttgarter Staatsgalerie. Sie warfen der dortigen Schlemmer-Expertin vor, ihnen jahrelang Einblick in Akten über den Verkauf der 'Bauhaustreppe' verweigert zu haben. 1933 - die Nazis hatten das Bauhaus geschlossen - verkaufte der als 'entartet' eingestufte Schlemmer das Bild für 1 200 Reichsmark an den New-Yorker Architekten Philip Johnson, der dem MoMA das Werk als Schenkung überließ. Die Schlemmer-Erben behaupten nun, das moderne Bild sei viel zu billig erworben worden, weil der Käufer den Preis aufgrund Schlemmers auswegloser Lage gedrückt habe. Der heute 93-jährige Johnson glaubt jedoch, dass Schlemmer mit der Bezahlung zufrieden war, denn er habe ihm später noch ein Bild verkauft. Um dieses Bild, 'Wettlauf', von 1931 wird nun auch gestritten. Es befindet sich zurzeit im Wadsworth Atheneum Hartford in Connecticut. Wie es dort hin kam, wird noch überprüft. Schlemmers-Erben sind davon überzeugt, dass Oskar das Bild zwar in die USA geschickt, aber niemals verkauft und Geld dafür bekommen hat. Die Stimmung zwischen Erben, MoMA und Stuttgarter Schlemmer-Archiv ist denkbar schlecht, und jeder sucht nun auf seiner Seite in Archiven und Akten nach 70 Jahre alten Belegen oder Briefen, die den Besitzanspruch rechtfertigen könnten.behaupten: beweren. der Beleg: bewijs. der Einblick in die Akten: inzage in de stukken. der Gerichtsvollzieher: gerechtsdeurwaarder. heftig: hevig. die Lage: situatie.