Entsetzliches spielt sich in Deutschlands Hauptstadt ab. Es wird getrauert. Aber nicht nur in Berlin, sondern in der ganzen Republik ? durch alle Volksschichten hindurch. Was soll bloß werden aus der Bundeshauptstadt, aus der Diplomatie, aus der Medienlandschaft? Alles scheint hoffnungslos, jetzt wo Deutschland seinen bekanntesten Diplomaten verliert.
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Entsetzliches spielt sich in Deutschlands Hauptstadt ab. Es wird getrauert. Aber nicht nur in Berlin, sondern in der ganzen Republik ? durch alle Volksschichten hindurch. Was soll bloß werden aus der Bundeshauptstadt, aus der Diplomatie, aus der Medienlandschaft? Alles scheint hoffnungslos, jetzt wo Deutschland seinen bekanntesten Diplomaten verliert. Der Schweizer Botschafter Thomas Borer-Fielding und seine Gattin Shawne Fielding-Borer müssen bis Ende April das diplomatische Parkett in Berlin geräumt haben. Die beiden werden jetzt plötzlich und etwas unerwartet heimgeholt. Der diplomatische Stil des Botschafters und das Dekolletee seiner Gattin waren den hohen verantwortlichen Eidgenossen wohl eine Note zu offen. Dabei wollten die beiden doch nur moderne Vertreter ihres Landes sein und haben wirklich hart an einer neuen Party-Diplomatie gearbeitet. Keine Galaveranstaltung, Filmpremiere, Geburtstagsfete, Vernissage, Party, Modenschau, Karnevalsveranstaltung usw. ohne dass die beiden für ihr Land dabei gewesen wären. Es wurde auch immer ausgiebig in Zeitungen und Zeitschriften über die beiden berichtet ? mit Fotos selbstverständlich, denn so ein Auftritt der aus Texas stammenden Gattin des Botschafters musste einfach auf Zelluloid festgehalten werden. Schließlich sollten ihre Roben, Hüte und Frisuren wirklich niemandem vorenthalten bleiben. Und als sich Frau Fielding-Borer hoch zu Ross ? schlicht und einfach in eine Schweizer Fahne gehüllt ? als Cowgirl vor der Botschaft ihres Mannes fotografieren ließ, hatte das doch irgendwie auch etwas mit Völkerverständigung zu tun und man erkannte ihr selbstloses Engagement an: ?If it helps Switzerland ? okay?. Zuletzt kam der glamouröse Botschafter wegen einer Sex-Affäre ins Gerede. Er soll angeblich im Oval-Office der Botschaft eine heiße Nacht mit einer Liebesdienerin verbracht haben. Mit diesem neuen Medienrummel hörte der Spaß für die Schweizer Regierenden dann aber auch auf und sie pfiffen ihren Botschafter sofort zurück. Schade eigentlich, denn damit wurde der von Herrn und Frau Borer entwickelten ?öffentlichen Diplomatie? ein jähes Ende gesetzt. Wen interessiert schon, ob die Borers jetzt in die Wüste geschickt werden? Alle denken nur daran, dass die Party in Berlin jetzt zu Ende sein könnte. Und das wäre schlimm! angeblich: zogenaamd. ausgiebig: uitvoerig. die Frisur: kapsel. der Medienrummel: mediagedoe. das diplomatische Parkett (hier): de ambassade. schlimm: erg. Schlicht und einfach: simpelweg. vorenthalten: onthouden.