Margot Honecker, die Witwe des 1994 gestorbenen ehemaligen DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker, hat noch einen Koffer in Berlin. Eigentlich sind es ja zwei Koffer, die das Ehepaar Honecker 1991 nach seiner Flucht nach Moskau in Berlin zurückließ und die jetzt auf scheinbar abenteuerlichen Wegen in den Besitz des Magazins Focus gelangten.
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Margot Honecker, die Witwe des 1994 gestorbenen ehemaligen DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker, hat noch einen Koffer in Berlin. Eigentlich sind es ja zwei Koffer, die das Ehepaar Honecker 1991 nach seiner Flucht nach Moskau in Berlin zurückließ und die jetzt auf scheinbar abenteuerlichen Wegen in den Besitz des Magazins Focus gelangten. Die Koffer enthalten unter anderem Fotos, Urkunden, Manuskripte, Bittbriefe an Politiker, politische Erklärungen und etwa 20 Briefe, die das Ehepaar 1991 an Margot Honeckers Bruder, das ZK-Mitglied Manfred Feist, und dessen Frau Edith in Berlin schrieb. Wie sollte es auch anders sein, in den Briefen führe Erich Honecker den Untergang der DDR auf das Versagen des Kremls, Feinde im Westen und Verräter in den eigenen Reihen zurück. Zwei Briefe enthielten Hinweise darauf, dass die Honeckers auch nach ihrer Flucht noch über Guthaben auf deutschen Konten verfügen. Na prima, dachten sich die Damen und Herren von der Unabhängigen Kommission Parteivermögen (UKPV), die versteckten SED-Vermögenswerten nachspürt, und nahmen sich des Falls Honecker an, denn Ende 1989 hatte der ehemalige Alleinherrscher noch angegeben, kein weiteres Geldvermögen zu besitzen. In den jetzt gefundenen Briefen an ihre Verwandten schrieb Margot Honecker im Juni 1991 jedoch von einer Geldtransaktion. Im Antwortschreiben sollen ihr Bruder und seine Frau mitgeteilt haben, sie hätten alles im Griff. Das Geld soll auf verschlungenen Wegen von Berlin nach Santiago de Chile gelangt sein, wo die heute 75 Jahre alte Margot Honecker seit 1992 in einem Prominentenviertel lebt. Die UKPV will nicht nur wissen, woher Frau Honecker das Geld hat und ob es noch irgendwelche Geheimkonten gibt, sondern interessiert sich auch für Hinweise auf wertvolle Gemälde von da Vinci, Rembrandt und Picasso, die angeblich in einem Depot in Budapest lagern. Die Gemälde, die Honecker vor seiner Flucht ins Ausland schmug- geln ließ, seien Geschenke östlicher KP-Führer gewesen. In Deutschland ist man nun gespannt, ob die UKPV herausfinden wird, wer von den Getreuen und engen Verwandten der Honeckers an der Transaktion beteiligt war und um wie viel Geld es sich eigentlich handelt. angeblich: zogenaamd. der Bittbrief: verzoekschrift. die DDR (Deutsche Demokratische Republik): Oost-Duitsland als onafhankelijk land (1949-1990) das Ehepaar: echtpaar. die Erklärung (hier): opstel, toelichting. das Gemälde: schilderij. gespannt sein: benieuwd zijn. das Guthaben: tegoed. der Kreml: Kremlin. scheinbar (hier): blijkbaar. die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands): leidinggevende partij in de DDR.