Wer Menschen gegen ihren Willen transportiert oder festhält, der muss damit rechnen, dass sie sich wehren.
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Wer Menschen gegen ihren Willen transportiert oder festhält, der muss damit rechnen, dass sie sich wehren. Das konnten drei Polizeibeamte des Landeskriminalamtes (LKA) am eigenen Körper erleben. Der Oberkommissar, der Hauptkommissar und ein weiterer Beamter der Abteilung 6 des LKA waren dienstlich nach Ghana unterweges. Ihr Auftrag lautete: Abschiebung des 30jährigen Emmanuel M. Die drei Beamten begaben sich mit dem Abschiebehäftling zum Flughafen Berlin-Tegel, um dort gemeinsam mit der niederländischen Fluggesellschaft KLM erst nach Amsterdam und dann weiter nach Ghana zu fliegen. Nach einem langen, anstrengenden Flug um die halbe Welt waren die Beamten froh, in Accra, der Hauptstadt Ghanas zu landen und sich endlich die Beine vertreten zu können. Die deutschen Polizisten und ihr Häftling wurden bereits von der dortigen Flughafenpolizei erwartet. Sehr herzlich fiel der Empfang jedoch nicht aus, denn das deutsche Grüppchen - die drei Beamten und Emmanuel M. - wurde festgenommen und der Pässe beraubt. Eine Erklärung für die sonderbare Begrüßung gab es nicht. Erst später konnten die Beamten in Erfahrung bringen, dass ihr Häftling behauptet hatte, kein Staatsbürger Ghanas zu sein. Vergebens versuchten die deutschen Ordnungshüter ihren Kollegen aus Ghana klarzumachen, dass alles in Ordnung und rechtskräftig sei, schließlich hatte die Botschaft Ghanas in der Bundesrepublik Deutschland einen Pass für Emmanuel M. ausgestellt. Es half alles nichts. In Ghana wollte man nichts von den schönen Stempeln aus Deutschland wissen und so durften die Beamten das Land auch nicht wieder verlassen. Ein Hotelzimmer und auch Essen und Trinken wurde den Beamten verwehrt. Ihnen wurden harte Metallstühle zugewiesen - das war alles. Erst nachdem die Berliner Beamten deutsche Banknoten ins Spiel brachten, gelang es ihnen in den Besitz einer Telefonkarte zu gelangen und die Heimatbasis zu benachrichtigen. Die diplomatischen Mühlen mahlen jedoch langsam und die Berliner mussten 16 Stunden warten, ehe es etwas auf den Tisch gab. Nach weiteren acht Stunden hatten sich die Behörden aus Ghana endlich entschieden: Das deutsche Grüppchen - die drei Beamten und Emmanuel M. - musste wieder nach Hause. Zurzeit befindet sich der Abschiebehäftling Emmanuel M. wieder in Deutschland - sein Fall wird überprüft.abschieben: uitwijzen. anstrengend: vermoeiend. etwas in Erfahrung bringen: te weten komen. das LKA (Landeskriminalamt): gerechtelijke politie van een deelstaat. sich die Beine vertreten: zich een beetje vertreden. verwehren: ontzeggen.