Begrüßungen können freundlich, herzlich, kühl oder offiziell sein. So weiß der Ankömmling gleich, wie er sich zu verhalten hat. Wenn bei jemandens Kommen jedoch das "Herzlich Willkommen - Schön Sie hier zu haben - Guten Tag - Hallo usw." völlig ausbleibt, weiß jeder sofort: ich bin hier unerwünscht.
...

Begrüßungen können freundlich, herzlich, kühl oder offiziell sein. So weiß der Ankömmling gleich, wie er sich zu verhalten hat. Wenn bei jemandens Kommen jedoch das "Herzlich Willkommen - Schön Sie hier zu haben - Guten Tag - Hallo usw." völlig ausbleibt, weiß jeder sofort: ich bin hier unerwünscht. So ähnlich muss sich der achte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Rau, gefühlt haben, als er sein Amt bereits seit Wochen in Berlin ausübte und noch immer nicht vom Berliner Senat in der deutschen Hauptstadt begrüßt worden war. Das deutsche Staatsoberhaupt hat seinem Unmut Luft gemacht und durch einen Sprecher wissen lassen, dass er über die rauhen Sitten in Berlin doch sehr erstaunt sei. Im gemütlichen Bonn hatte man dem neuen Bundespräsidenten auf dem Marktplatz ein kleines Volksfest gegeben. Dagegen lag bei seiner Ankunft im Berliner Schloss Bellevue nur ein kleines Briefchen auf seinem Schreibtisch. Darin wurde Rau kurz und förmlich in der neuen Hauptstadt willkommen geheißen. Von einem Volksfest war in Berlin keine Rede. Es macht sogar ein Gerücht die Runde, ein Senator habe gesagt, er verstehe gar nicht, warum Rau sich nicht von sich aus gemeldet habe. Schließlich sei es üblich, dass sich derjenige vorstelle, der neu in der Stadt ist. In Berlin herrschen andere Sitten als am Rhein und die gelten für jedermann - Staatsoberhaupt hin oder her. Dabei müsste Johannes Rau eigentlich zweimal willkommen geheißen werden, einmal als neuer Bundespräsident im Schloss Bellevue und dann ein zweites Mal als neuer Einwohner von Schmargendorf, wo er mit seiner Familie in der Miquelstraße ganz privat eine Dienstvilla bezogen hat. Rau hat sich geweigert auch privat in Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, einzuziehen. "Ich möchte nicht, dass meine Kinder als Schlosskinder aufwachsen", hatte er gesagt. Seine drei Kinder sollten in einer "normalen" Umgebung aufwachsen und zur Schule gehen. Der Umbau des normalen Hauses in Schmargendorf hatte 4,5 Millionen Mark gekostet. Panzerglasscheiben, Videokamers usw. machen die von Efeu umrankte Villa und ihren Garten - insgesamt 5.725 Quadratmeter - zu einer ganz normalen Festung. Außerdem sind für den Personenschutz der Familie Rau die Männer vom Bundeskriminalamt angerückt und gehen jetzt ganz normal im Garten der Dienstvilla spazieren - Platz gibt es genug. Für den Bundespräsident ist jetzt in Berlin eben alles einbisschen anders.Amtssitz: officiële woning. das Efeu : klimop. seinem Unmut Luft machen : zijn wrevel uiten. usw. (und so weiter): en zo meer.