Heide ist ein liebenswertes, trotziges, naturverbundenes und vor allem natürliches kleines Mädchen aus den Alpen. Sie hat zwar nie gelebt, ist aber seit Generationen in den Köpfen der Kinder um so lebendiger, wurden die "Heidi"-Bücher der 1827 geborenen Schweizer Jugendbuchautorin Johanna Spyri doch in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Für die Kinder des Fernsehzeitalters wurden die Geschichten auf Zelluloid gepackt und später mußte das Alpenmädchen dann als Z...

Heide ist ein liebenswertes, trotziges, naturverbundenes und vor allem natürliches kleines Mädchen aus den Alpen. Sie hat zwar nie gelebt, ist aber seit Generationen in den Köpfen der Kinder um so lebendiger, wurden die "Heidi"-Bücher der 1827 geborenen Schweizer Jugendbuchautorin Johanna Spyri doch in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Für die Kinder des Fernsehzeitalters wurden die Geschichten auf Zelluloid gepackt und später mußte das Alpenmädchen dann als Zeichentrickfigur japanischer Fachleute von einer Serie in die andere stolpern. Diese Zeichentrickfilme haben Heidi schließlich zu immensem Ruhm verholfen, denn die Serie verkaufte sich weltweit wie warme Semmel. Daß man sich in der Schweiz gern im Glanz des Bergkindes sonnt, liegt auf der Hand, denn Heidi ist für die Tourismusbranche der ideale Werbeträger, verkörpert das arme, mittellose Mädchen doch bestens Schweizer Tugenden wie Freiheit und Naturverbundenheit. Zwei benachbarte Ferienregionen streiten sich jetzt aber um die berühmte Schweizerin. Heidi muß nämlich für das Bündner- und für das Sarganserland werben. So behauptet man in der Region Graubünden: "Es ist in Briefen belegt, das Sarganserland spielt in den Heidibüchern gar keine Rolle". Der Geschäftsführer der neugegründeten "Heidiland AG", die das arme Bergkind jetzt jenseits der Kantonsgrenze auf St-Gallener Gebiet ansässig macht, meint dazu nur: "Wo gehört die Heidi hin? Das ist wohl eine philosophische Frage." Eines steht jedenfalls fest, die St-Gallener waren schneller und bieten in Sachen Heide so ungefähr alles an, was das Tourismusherz höher schlagen läßt. Die Graubündner wollten aber auf keinen Fall auf ihren Heidi-Anspruch verzichten und möbelten ein altes Bauernhaus rasch in "Heidi's House - the Original" um und planen auf der Heidi-Alp eine Heidi- Kulturstätte. Touristen, die ihren Urlaub im Bündner- und Sarganserland verbringen, sollten sich nicht wundern, wenn sie die Wahl zwischen zwei Heidi-Wanderwegen, zwei Heidi-Alpen usw. haben. Aber sie sollten sich nicht beirren lassen, schließlich hat Heidi nie gelebt. Echte Heidi-Kenner wissen allerdings, daß Johanna Spyri ihre Geschichte so beginnen läßt: "Vom freundlichen Dorfe Maienfeld führt ein Fußweg durch grüne, baumreiche Fluren ..." Echte Heidi-Kenner wissen auch, daß das Dorf Maienfeld im Bündnerland liegt.aufmöbeln: opkalefateren, beirren: van de wijs brengen, jenseits: aan de andere zijde, trotzig: koppig.