In der Bundesrepublik Deutschland gibt es heute keine Könige und Kaiser mehr, und so ist der amtierende Bundespräsident Johannes Rau auch nicht der Sohn von Amtsvorgänger Roman Herzog. Aber es gibt zum großen Gefallen vieler Bundesbürger noch eine ganze Reihe fruchtbarer, alter und vornehmer Geschlechter, von denen eines sich derzeit in Sachen Fortpflanzung als besonders bewandert hervortut. Gloria Ferdinanda Joachima Fürstin von Thurn und Taxis, hochwohlgeborene Gräfin von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg, erklärte dem deutschen Fernsehpublikum in der ARD-Talkshow 'Friedman' peinlich genau, was es in Afrika eigentlich mit der Aids-Problematik auf sich hat: Es gebe in Afrika so viele an HIV-Erkrankte, 'weil der Schwarze gerne schnackselt'.
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In der Bundesrepublik Deutschland gibt es heute keine Könige und Kaiser mehr, und so ist der amtierende Bundespräsident Johannes Rau auch nicht der Sohn von Amtsvorgänger Roman Herzog. Aber es gibt zum großen Gefallen vieler Bundesbürger noch eine ganze Reihe fruchtbarer, alter und vornehmer Geschlechter, von denen eines sich derzeit in Sachen Fortpflanzung als besonders bewandert hervortut. Gloria Ferdinanda Joachima Fürstin von Thurn und Taxis, hochwohlgeborene Gräfin von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg, erklärte dem deutschen Fernsehpublikum in der ARD-Talkshow 'Friedman' peinlich genau, was es in Afrika eigentlich mit der Aids-Problematik auf sich hat: Es gebe in Afrika so viele an HIV-Erkrankte, 'weil der Schwarze gerne schnackselt'. Wenn die in ihrem Sprachgebrauch dem Volke sehr nahe stehende Regensburger Fürstin den bayerischen Begriff 'schnackseln' verwendet, ist damit 'Sex haben' gemeint. Talkshow-Moderator Michel Friedman erwiderte, der Weiße 'schnacksle' doch auch gerne. Die adelige Fachfrau für Fortpflanzung belegte ihre These und erklärte, dass 'man da, wo es wärmer ist, aber noch lieber schnackselt'. Die Frage, ob dies auch für Italien gelte, das ja auch südlich liegt, beantwortete sie mit 'natürlich'. Die Adelige aus Regensburg war noch nie um eine Antwort verlegen. Über die Ausbildung der plappernden Fürstin ist jedoch so gut wie nichts bekannt. Sie begann ihre Karriere in den Klatschblättern, als sie 1980 im zarten Alter von knapp 20 Jahren die kapitalstarke Vaterfigur Johannes Baptista de Jesus Maria Louis Miguel Friedrich Bonifazius Lamoral Fürst von Thurn und Taxis ehelichen durfte. Die junge Fürstin sorgte aufgrund auffälliger, aber nicht besonders glorreicher Frisuren und eines mit ihrem Gatten in Szene gesetzten, allgemein extrovertierten Lebenswandels für dementsprechende Presse. Nach dem Ableben des Angetrauten wurde Gloria zur knallharten Geschäftsführerin eines beträchtlichen Firmenimperiums. Die Haartracht der Fürstin ist bigotter geworden und vom Besuch New Yorker In-Clubs ist heute auch nichts mehr zu hören, aber dafür zeigt sie sich in jüngerer Geschichte gerne mit Michael Jackson und Papst Johannes Paul II. Letzterer scheint großen Eindruck auf die Fürstin aus Regensburg gemacht zu haben, profiliert sie sich heute doch gerne als strenge Katholikin und steigt sogar in die Kanzel. 'Sex ist dazu da, um Kinder zu kriegen und nicht zu Jux und Tollerei', sagt sie. Afrika habe die Probleme nicht wegen der Verhütung, sondern wegen dem 'Schnackseln'. Wenn man bedenkt, dass sich der Papst mit seinem Verbot von Kondomen nicht gerade aktiv an der Aids-Bekämpfung beteiligt, ist es kein Wunder, dass sich die Fürstin so gut mit ihm versteht. Selbst wenn die These stimmen sollte, dass die Häufigkeit der Sexualkontakte von den Außentemperaturen abhängt und die Sexualgewohnheiten von Kultur zu Kultur verschieden sind, dann verlangt eine derartige Darstellung schon allein vor geschichtlichem Hintergrund wesentlich mehr Sensibilität und Respekt, und kein reaktionäres Stammtischgeplapper. Die Einfalt der Fürstin hat verständlicherweise einen Sturm der Empörung hervorgerufen. Der Regensburger SPD-Vorsitzende Joachim Wahnschaffe meinte zum Beispiel, die Fürstin 'sollte lieber den Mund halten und einen Beitrag zur aktiven Bekämpfung dieser Seuche leisten'. Die Fürstin fühlt sich missverstanden. Das erklärte sie jetzt der Illustrierten 'Bunte'. Sie habe niemanden kränken wollen, es sei ihr in der Talkshow eigentlich nur darum gegangen, gegen Sterbehilfe und Abtreibung Stellung zu nehmen. Aus dem äußerst negativen Medienecho auf ihre Bemerkungen zur Aids-Problematik will die süddeutsche Fürstin nun Konsequenzen ziehen. Sie sagte: 'Ich sollte wohl besser nicht mehr in Talkshows gehen'. Viele würden es ihr danken.das Ableben: overlijden. die Ausbildung: opleiding. beträchtlich: aanzienlijk. dementsprechend: navenant. ehelichen: huwen. die Einfalt: eenvoud. die Empörung: verontwaardiging. aus Jux und Tollerei: enkel en alleen voor de lol. plappern: kwebbelen. die Seuche: besmettelijke ziekte, epidemie. der Stammtisch: stamtafel, kletstafel.