Die Großausstellung mit dem Titel "Aufstieg und Fall der Moderne" sollte der Höhepunkt der Weimarer Veranstaltungen im Kulturhauptstadt-Jahr werden. Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Im Schlossmuseum geht es um die Geschichte der Weimarer Sammlungen und Ausstellungen bis 1930. Im Untergeschoss der Mehrzweckhalle kann die bisher größte Auswahl aus der privaten Gemäldesammlung Adolf Hitlers besichtigt werden und im Obergeschoss ist im dritten Teil der Ausstellung die seit 1989 umfangreichste Präsentation von Bildern aus der DDR zu sehen.
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Die Großausstellung mit dem Titel "Aufstieg und Fall der Moderne" sollte der Höhepunkt der Weimarer Veranstaltungen im Kulturhauptstadt-Jahr werden. Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Im Schlossmuseum geht es um die Geschichte der Weimarer Sammlungen und Ausstellungen bis 1930. Im Untergeschoss der Mehrzweckhalle kann die bisher größte Auswahl aus der privaten Gemäldesammlung Adolf Hitlers besichtigt werden und im Obergeschoss ist im dritten Teil der Ausstellung die seit 1989 umfangreichste Präsentation von Bildern aus der DDR zu sehen. Schon vor der Eröffnung war die Ausstellung umstritten. Ursprünglich sollte sie nur den "Aufstieg der Moderne in Weimar" zum Thema haben, dann entschied man sich zusätzlich auch noch für den "Fall der Moderne". Mit dieser schwierigen Aufgabe war der aus den alten Bundesländern stammende Kurator Achim Preiß offensichtlich überfordert. Denn in einem sind sich ausnahmsweise alle einig: Die Ausstellung in Weimar ist ein Desaster. Zunächst einmal besitzt Weimar für Projekte dieser Größenordnung keinen angemessenen Ort. Künstler und Kritiker warfen dem Ausstellungsmacher vor, die Präsentation asse mehr als zu wünschen übrig. Die Bilder seien schlecht beleuchtet, mehrreihig gehängt und durcheinander geworfen, wirkten sie wie Beutestücke vor dem Beginn eines Triumphzuges. Die Ausstellung stelle allein die Frage, ob es um Staatskunst oder Opposition gehe - am Gelingen der Kunstwerke sei sie jedoch nicht interessiert. Der Streit wurde bundesweit ausgetragen. Auch Sachsens Kultusminister übte Kritik und es wurde sogar verlangt, Sachsen solle seine nach Weimar entliehenen Bilder zurückholen. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sprach von "westdeutscher Arroganz". Der Streit eskalierte und Kurator Preiß warf den Kritikern vor, ihre Äußerungen ähnelten der Sprache, "wie sie am Vorabend von Ausschreitungen gegen die moderne Kunst des frühen 20. Jahrhunderts oder zu Beginn staatlicher Eingriffe in den 30er Jahren gesprochen wurde". Ende Mai kam es dann zum Eklat: Eine halbe Stunde bevor Königin Beatrix der Niederlande durch Teil drei der Ausstellung geführt werden sollte, hängten Künstler dort ihre Bilder ab, nachdem die Museumsdirektion ihrer Bitte um Entfernung der Werke nicht gefolgt war. Bei der Aktion wurde Kurator Preiß handgreiflich und ließ die Fäuste sprechen, bevor er dann die Flucht ergriff. Die Künstler hatten sozusagen in Notwehr gehandelt, denn für sie stellte die unkorrekte Präsentation ihrer Bilder eine Diffamierung dar. Jetzt wurde die umstrittene DDR-Kunstausstellung und die Schau mit Kunst aus der Sammlung Adolf Hitlers in aller Stille geschlossen - sechs Wochen früher als ursprünglich geplant. Der Bilderstreit um die Präsentation der DDR-Kunst habe mit der vorzeitigen Schließung nichts zu tun. Die Kunstsammlungen zu Weimar gaben technische und personelle Gründe an.der Aufstieg (hier): opbloei. die Ausstellung: tentoonstelling. bundesweit: nationaal. die Entfernung (hier): verwijdering. der Eklat: schandaal. das Gelingen: succes.