Aus dem Dreierpack - Schröder, Lafontaine, Scharping - wurde ein Pas de deux mit unklarer Rollenverteilung. Schröder und Lafontaine kämpften in ihrer Vernunftehe für die gemeinsame Sache, waren jedoch Rivalen um die Kanzlerkandidatur. Der besonders medienfreundliche Schröder machte schließlich das Rennen und zog ins Kanzleramt ein. Genosse Scharping wurde wider Willen Verteidigungsminister und Ex-Nebenbuhler Lafontaine sollte sich um das finanzielle Wohlergehen der Bundesrepublik kümmern.
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Aus dem Dreierpack - Schröder, Lafontaine, Scharping - wurde ein Pas de deux mit unklarer Rollenverteilung. Schröder und Lafontaine kämpften in ihrer Vernunftehe für die gemeinsame Sache, waren jedoch Rivalen um die Kanzlerkandidatur. Der besonders medienfreundliche Schröder machte schließlich das Rennen und zog ins Kanzleramt ein. Genosse Scharping wurde wider Willen Verteidigungsminister und Ex-Nebenbuhler Lafontaine sollte sich um das finanzielle Wohlergehen der Bundesrepublik kümmern. Die Aufgabe schien ihn jedoch nicht völlig zu befriedigen, denn Lafontaine fand immer wieder die Zeit, Parteifreund Schröder anzugreifen. März dieses Jahres hatte der Kanzler dann die Nase voll, zumal sich auch noch Lafontaines Ehefrau in die deutsche Finanzpolitik einmischte. Der Machtkampf zwischen den Parteifreunden endete mit dem Rücktritt Lafontaines von allen Ämtern. Lafontaine verließ die politische Bühne - der Genosse war beleidigt. Während sich Gerhard Schröder mit seiner Partei bei Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen von einer Katastrophe in die andere stürzte, hat Lafontaine nicht geschlafen. Der SPD-Politiker schrieb ein Buch. Titel: "Das Herz schlägt links". Bevor das 317 Seiten starke Buch auf den Markt kam, wurde es auszugsweise in einer deutschen Tageszeitung veröffentlicht. In den Auszügen läßt der Saarländer kein gutes Haar an seinen Parteifreunden. Er rechnet mit ihnen ab. So wirft Lafontaine dem Kanzler vor, die Wahlniederlagen durch seinen neoliberalen Kurs und fehlende soziale Gerechtigkeit selbst verschuldet zu haben. In der Partei war man entsetzt und wollte den einstigen SPD-Chef aus der Partei ausschließen. Davon hat man letztendlich abgesehen, denn ein derartiges Medienspektakel soll ihm nicht gegönnt sein. Für Medienpräsenz sorgte der Rächer selbst. In einer TV-Talkshow erklärte Lafontaine vieles sei falsch verstanden worden und die Zeitungen hätten nur die Passagen veröffentlicht, in denen er gestänkert habe. Gerade jetzt, wo die Sparpolitik Schröders höchst unpopulär ist, finden Lafontaines Anschuldigungen großen Zuspruch bei den Bundesbürgern. 53,1 Prozent der fast 40.000 Zuschauer, die während der Talkshow anriefen, wünschten sich ein Comeback Lafontaines. Literaturnobelpreisträger Günter Grass rät Lafontaine nicht zum Comeback, sondern zum endgültigen Abgang. Grass: "Ich wünschte wir hätten heute einen Herbert Wehner. Der hätte diesen unreifen Fünfziger übers Knie gelegt und verhindert, dass dieser Egomane mit Linksanspruch heute Interviews gibt gegen die eigene Partei. Es passiert bei mir selten, dass ich Freundschaften aufkündige ... Die mit Lafontaine ist zu Ende ... Ich kann ihm an dieser Stelle nur zurufen: Halt's Maul!" Der durch die diversen Wahldesaster und das Lafontaine-Buch entstandene Druck zwingt Bundeskanzler Schröder zur Reaktion. Der Kanzler und seine Regierung arbeiten jetzt an einer inhaltlichen Erneuerung: "Starke und Schwache sollten gerecht behandelt werden und große Vermögen ihren Beitrag für die Sicherung der Zukunft leisten". Die deutschen Wähler sind gespannt, was konkret mit dieser schönen Formulierung gemeint ist.der Landtag: parlement van de deelstaat. das Maul: bek. die Nase voll haben: van iets zijn buik vol hebeen. der Nebenbuhler: rivaal. das Rennen machen: winnen. der Rächer: wreker. stänkern: kankeren. die Vernunftehe: verstandshuwelijk. das Wohlergehen: welzijn.