Während im deutschen Sprachraum wohl jeder den Namen Bertelsmann kennt, ist der Name Reinhard Mohn für die wenigsten ein Begriff. Dabei hat er den 1835 von seinem Urgroßvater Carl Bertelsmann gegründeten Bibelverlag zu dem gemacht, was er heute ist : der weltweit drittgrößte Medienkonzern.
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Während im deutschen Sprachraum wohl jeder den Namen Bertelsmann kennt, ist der Name Reinhard Mohn für die wenigsten ein Begriff. Dabei hat er den 1835 von seinem Urgroßvater Carl Bertelsmann gegründeten Bibelverlag zu dem gemacht, was er heute ist : der weltweit drittgrößte Medienkonzern. Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft hatte Mohn den Familienbetrieb übernommen, einen Verlag für religiöse Schriften mit 300 Beschäftigten. Das allerorts bekannte ?Bertelsmann-Lexikon? gab es schon vor dem Krieg, aber Mohn hatte aus Amerika eine Geschäftsidee mitgebracht, die dazu beitrug, daß das Bertelsmann Volkslexikon in fast jedem deutschen Wohnzimmer vorzufinden war. Die Idee hieß Lesering, und durch ihn wollte Mohn Bücher an Leute verkaufen, die bis dahin keine Bücher lasen. Vertreter des Verlags zogen durchs ganz Land, von Haus zu Haus, um deutschen Haushalten Mitgliedschaften beim Bertelsmann Lesering zu verkaufen. Die Rechnung ging auf, mittlerweile zählt der Club allein in Deutschland 4,7 Millionen Mitglieder, die einmal im Quartal ein Buch kaufen müssen. In den siebziger Jahren galt der Medienunternehmer noch als ?roter Mohn?, weil er in seinem Betrieb eine Gewinnbeteiligung für die Mitarbeiter einführte. Dabei ging es ihm weniger um irgendwelche Sentimentalitäten, als viel mehr um genau berechnete Mitarbeitermotivation. Anfang der 80er Jahre ging das Unternehmen auf Expansionskurs und kaufte reihenweise kleinere Verlage auf. Das ging so weit, daß das Kartellamt in Berlin stutzig wurde. Für den Pragmatiker Mohn war die Sache jetzt klar, Bertelsmann mußte künftig in der ganzen Welt aktiv sein. Gesagt, getan : Heute gehören zur Bertelsmann AG nicht nur Verlage, sondern auch private Fernsehsender, Buchverlage in Deutschland und den USA (Bantam und Doubleday) sowie der Hamburger Verlag Gruner+Jahr (Stern) usw. Die insgesamt 58.000 Angestellten des Mediengiganten machen einen Gesamtumsatz von über zwanzig Milliarden Mark, mehr als die Hälfte davon im Ausland. Mohn hat sich nie einer Partei verschrieben. In seinem Mitarbeiterstab ist von links nach rechts schon immer alles vertreten gewesen. Der Buchhändler sieht sich als Geschäftsmann, ist kein Politiker und ?hatte nie ein ausgeprägtes Interesse an der Literatur?. Der Medienunternehmer Reinhard Mohn feierte kürzlich seinen 75. Geburtstag. der Beschäftigte/der Angestellte : werknemer, die Rechnung geht auf : de rekening klopt, stutzig : wantrouwig, der Verlag : uitgeverij, sich verschreiben (hier) : zich helemaal wijden aan, der Vertreter : vertegenwoordiger.