Seit Monaten wird sich in der Hansestadt Bremen um geplante Tierversuche an der Universität gestritten. Der Neurobiologe Professor Andreas Kreiter erhielt jetzt von der Bremer Gesundheitsbehörde die Genehmigung für die umstrittenen Tierversuche an Affen. Den Makaken wird unter Vollnarkose eine Apparatur auf den Kopf gesetzt, mit der sich die chemischen Vorgänge der Nervenzellen im Gehirn messen lassen. Damit die Affen sich dabei nicht bewegen, werden sie in einem sogenannten ...

Seit Monaten wird sich in der Hansestadt Bremen um geplante Tierversuche an der Universität gestritten. Der Neurobiologe Professor Andreas Kreiter erhielt jetzt von der Bremer Gesundheitsbehörde die Genehmigung für die umstrittenen Tierversuche an Affen. Den Makaken wird unter Vollnarkose eine Apparatur auf den Kopf gesetzt, mit der sich die chemischen Vorgänge der Nervenzellen im Gehirn messen lassen. Damit die Affen sich dabei nicht bewegen, werden sie in einem sogenannten Affenstuhl gefangen. Durch ein Loch in der Schädeldecke wird eine Sonde mit Mikroelektroden ins Gehirn geführt. Während des Versuchs schaut der immobilisierte Affe auf einen Monitor, auf dem verschiedene Bilder auftauchen. Der Affe soll erkennen, ob gleiche oder verschiedene Motive erscheinen. Dazu messen die Mikroelektroden im Gehirn, wie groß die Gruppen der Nervenzellen sind, die verschiedene Eigenschaften der gesehenen Bilder speichern. Kreiter, der seine Versuche schon seit mehreren Jahren im Max-Planck-Institut in Frankfurt durchführt, beschwörte, daß die Versuche am Affen "unter Humanbedingungen" durchgeführt werden. "Das Tier spürt nichts", behauptet er. Der wichtigste Gegner des Bremer Professors ist Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Er meint: "Das ist sinnlose Tierquälerei. Die Operation ist schwierig und schmerzhaft." Abgesehen von dem Tierschützer haben 106 Bremer Hochschullehrer aus allen Fakultäten ein Memorandum gegen die Tierversuche ihres Kollegen unterzeichnet. Mittlerweile bestehen aber auch 50 weitere Professoren in einem Gegenmemorandum auf "die Freiheit der Forschung". In wieweit die Versuche jedoch für die Forschung wichtig sind, ist nicht ganz klar. Während Hirnexperte Kreiter sagt, daß man Fehlfunktionen im Gehirn nur dann beheben kann, wenn die Normalfunktion bekannt ist, behauptet Tierschützer Apel, daß bereits seit 20 Jahren ohne Ergebnis in diese Richtung experimentiert werde. Der Streit um Sinn oder Unsinn der Tierversuche hat erschreckende Ausmaße angenommen. Professor Kreiter erhielt nämlich Briefbombenattrappen und Morddrohungen. Die radikale "Aktion Tierbefreiung Bremen" trachtet gar dem Sohn Kreiters nach dem Leben: "Was Sie den Affen antun, tun wir Ihnen an. Besonders freuen wir uns auf den kleinen Lukas". Professor Kreiter tritt zur Zeit nur noch im Schutz von zwei Polizisten in Zivil in der Öffentlichkeit auf.das Affentheater: apenspel, das Gehirn : hersenen.