Immer wieder, schön regelmäßig, ist von Altkanzler Helmut Kohl zu hören. Meistens nichts Gutes.
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Immer wieder, schön regelmäßig, ist von Altkanzler Helmut Kohl zu hören. Meistens nichts Gutes. Kürzlich wurde nämlich bekannt, dass Kohl, der heute noch als Abgeordneter im Bundestag sitzt, nach seiner Kanzlerschaft mehrere 100 000 Euro vom deutschen Medienmogul Leo Kirch erhielt û für eine angebliche Beratertätigkeit. Die sechsstelligen Summen wurden aufgrund eines heimlichen Beratervertrags zwischen Kohls Firma P & S GmbH (Politik und Strategieberatung) und Leo Kirch bezahlt. Auch Kohls Sohn Peter profitierte von den lukrativen Geschäftsbeziehungen des Vaters. Peters Londoner Firma bekam 2000 und 2001 rund 2,7 Millionen Mark für Beratungsaufträge aus dem Kirch-Imperium. Damit nicht genug, Kirchs gewaltiger Beratungsbedarf wurde auch noch von anderen Regierungsmitgliedern aus der Ära Kohl gedeckt. So erhielten der ehemalige Finanzminister Theo Waigel und der ehemalige Postminister Wolfgang Bötsch ebenfalls Beraterhonorare. Dass Kirch mit den Ratschlägen von Wolfgang Bötsch besonders froh gewesen sein muss, ist klar, war Bötsch doch als Abgeordneter im Spenden-Ausschuss. Dort hatte er Zugang zu Ermittlungsunterlagen der Staatsanwaltschaft, die im Fall Kohl auch der Kirch-Spur nachging, denn es bestand der Verdacht, dass der Kanzler für seine großzügige Förderung von Kirchs Medienprojekten die Hand aufgehalten haben könnte. Kohl und Kirch, das ist eine wahre Männerfreundschaft. Sie kennen sich schon seit Jahrzehnten und sind Hand in Hand groß geworden. Oder muss man sagen, eine Hand wäscht die andere? Eben das weiß man nicht genau, denn die beiden Männer verbindet eine äußerst geheimnisvolle Freundschaft, zu der Kohl auch vor dem Parteispenden-Untersuchungsausschuss keine Einzelheiten preisgab. Der ARD-Panorama-Journalist Stephan Stuchlick ließ nicht locker und fragte Kohl, wofür er denn die Gelder von Leo Kirch bekommen habe. Helmut Kohl: "Das kann ich Ihnen sagen. Die Gelder sammle ich, um das nötige Geld zu haben, um jetzt eine große Untersuchung anzustellen über die Vaterlandsverräter und Leugner der deutschen Einheit - etwa bei bestimmten Machenschaften der ARD. " Altkanzler Helmut Kohl weiter: "Verschwinde! Die (Gelder) brauchen wir, um den Landesverrat Ihrer Gesinnungsgenossen aufzuzeigen. "Es war bekannt, dass Kohl ein gestörtes Verhältnis zur freien Presse hat und er mag seine Gründe dafür haben. Wenn er der ARD nun aber ernsthaft Landesverrat vorwirft, müssen sich Fragen nach des Altkanzlers geistiger Verfassung gestellt werden. Aber auch da ist guter Rat teuer. der Abgeordnete: volksvertegenwoordiger; angeblich: zogenaamd; aufzeigen: aantonen; ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland): sinds 1950 de Duitse openbare omroep (www.ard.de); die Ermittlungsunterlagen (altijd meervoud): gerechtelijke documenten; die Förderung: steun; die Geschäftsbeziehungen (meestal meervoud): zakelijke relaties; der Gesinnungsgenosse: gelijkdenkende; die Hand aufhalten: zijn hand openhouden; eine Hand wäscht die andere (spreekwoord): voor wat hoort wat; die Machenschaft: machinatie, kuiperij; die Verfassung (hier): toestand, conditie.