Die Flutkatastrophe hat viel Unglück und Zerstörung gebracht, sie hat aber auch den Wahlkampf in Deutschland - und besonders Kanzler Schröder - in ein anderes Licht gerückt. Der Wahlkampf war bisher äußerst langweilig, denn inhaltliche Debatten über wirklich heiße Themen wurden nicht geführt - die Parteien von Kanzler Schröder und Kanzlerkandidat Stoiber stritten sich lieber über Flugmeilen, als über die Beschäftigungs- und deutsche Auslandspolitik zu debattieren.
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Die Flutkatastrophe hat viel Unglück und Zerstörung gebracht, sie hat aber auch den Wahlkampf in Deutschland - und besonders Kanzler Schröder - in ein anderes Licht gerückt. Der Wahlkampf war bisher äußerst langweilig, denn inhaltliche Debatten über wirklich heiße Themen wurden nicht geführt - die Parteien von Kanzler Schröder und Kanzlerkandidat Stoiber stritten sich lieber über Flugmeilen, als über die Beschäftigungs- und deutsche Auslandspolitik zu debattieren. Dann kam jedoch die Flut, die das Interesse von Medien und Öffentlichkeit vom schlappen Wahlkampf ab und hin zum Bun- deskanzler lenkte, denn schließlich will in einer Situation der Not jeder wissen, wie die Regierung handelt und hilft, aber kaum einer interessiert sich dafür, was die Opposition in diesem Fall getan hätte. Bundeskanzler Schröder nutzte also das Rampenlicht, setzte auf seine Sympathiewerte, zog sich Gummistiefel und Öljacke an, reiste ins Katastrophengebiet und zeigte, dass er ein Mann aus dem Volke ist. Der Kanzler versprach sehr schnell, die für den Aufbau erforderlichen Milliardenbeträge zu mobilisieren. Er veranlasste eine sofortige Haushaltssperre und die für 2003 vorgesehene zweite Stufe der Steuerreform wird um ein Jahr verschoben. So gewinnen Bund, Länder und Gemeinden um die sieben Milliarden Euro - Geld, das alle Bürger, die Lohn- oder Einkommenssteuer zahlen, dann sozusagen als Zeichen der Solidarität abgeben. Gerhard Schröder steht also kurz vor der Wahl wieder als führungsstarker, echter linker Politiker da, weil er den Kampf gegen die drohende Verarmung der Flutopfer zur Priorität seiner Regierung gemacht hat. Dieser Imagegewinn tat dem Kanzler gut, sicherlich so kurz vor dem TV-Duell mit Kanzlerkandidat Stoiber. Zum ersten Mal wurde in Deutschland eine nach amerikanischem Modell veranstaltete Fernsehdebatte zwischen dem Kanzler und seinem Herausforderer ausgestrahlt. Es sollte das Medienereignis werden. Für einen gerechten Kampf sorgte Debattenregisseur Volker Weicker, der sich bei RTL mit Boxübertragungen wie 'Kampf der Kämpfe' einen Namen gemacht hatte. Im Ring blieb nichts dem Zufall überlassen, die Parteimanager von Schröder und Stoiber verhandelten jedes kleinste Detail des TV- Duells: Kamerawinkel, Beleuchtung, Hintergrundfarbe, Getränke usw. Eigentlich hätte Kanzler Schröder (1,74 Meter) lieber gesessen, letztendlich wurde das Duell mit Stoiber (1,86 Meter) dann doch stehend geführt. Herausgekommen ist dabei nichts. So, wie der Wahlkampf, war auch das so genannte Duell: ziemlich flach. Außer einem mittelmäßigen sonntäglichen Fernsehabend hat das TV-Duell, das nicht mal eine TV-Debatte war, den Wählern nicht viel gebracht. das Ereignis: gebeurtenis. geizen mit: zuinig omspringen met. gerecht: rechtvaardig. das Getränk: drankje. der Gummistiefel: rubberlaars. der Kampf: strijd. der Kanzler: minister-president. langweilig: saai. letztendlich: uiteindelijk. das Rampenlicht (hier): schijnwerpers. schlapp: sloom. Jemandem in ein anderes Licht rücken: iemand in een ander licht plaatsen. veranlassen (hier): afkondigen. verhandeln: onderhandelen. der Wähler: kiezer. der Winkel: hoek.