Doktor Gunther von Hagens ist berühmt. Er hat ein Verfahren entwickelt, mit dem bei toten Menschen und Tieren das Gewebswasser und Gewebefett durch einen Reaktionskunststoff wie zum Beispiel Silikonkautschuk ausgetauscht wird und die so plastinierten Körperteile nicht nur trocken und geruchsfrei, sondern auch mit ihrem Zustand vor der Konservierung identisch sind. Allein das Plastinationsverfahren hat dem Heidelberger Professor jedoch nicht zur Berühmtheit verholfen. Von sich reden macht er erst, seitdem er sein...

Doktor Gunther von Hagens ist berühmt. Er hat ein Verfahren entwickelt, mit dem bei toten Menschen und Tieren das Gewebswasser und Gewebefett durch einen Reaktionskunststoff wie zum Beispiel Silikonkautschuk ausgetauscht wird und die so plastinierten Körperteile nicht nur trocken und geruchsfrei, sondern auch mit ihrem Zustand vor der Konservierung identisch sind. Allein das Plastinationsverfahren hat dem Heidelberger Professor jedoch nicht zur Berühmtheit verholfen. Von sich reden macht er erst, seitdem er seine umstrittene "Körperwelten"-Show mit massenweise plastinierter Leichen in europäischen Großstädten produziert. Derzeit stellt Professor von Hagens seine Exponate in London aus, wo bereits mehr als eine halbe Million Briten die menschlichen Exponate sahen. Das Gruselkabinett "Made in Germany" ist ein wahrer Erfolg. Dem wollte der medienpräsente von Hagens noch eins drauf setzen und veranstaltete mit dem TV-Sender Channel Four die erste Obduktions-Show und damit auch die erste öffentliche Obduktion in England seit 1838. Im Londoner Fernsehstudio saßen rund 400 Schaulustige gleich angehenden Ärzten im Hörsaal und warteten vor einem Rollwagen mit einer zugedeckte Leiche auf von Hagens' ersten Schnitt. Der im Scheinwerferlicht stehende Professor war in einen blauen OP-Kittel mit Aufschrift "Körperwelten" gehüllt und trug auch zur Obduktion seinen großen schwarzen Hut. Der Plastinator konnte mit der Arbeit beginnen. Ruck, zuck hatte er die Leiche eines 72-jährigen Deutschen aufgeschnitten. Professor von Hagens entnahm Organe, sägte den Kopf der Leiche auf und brachte das Gehirn des Toten zum Vorschein. Während menschliche Organe auf- und zerschnitten, entnommen und präsentiert wurden, erklärte ein Pathologe das Spektakel und hob somit das Niveau der Show an. Nach der Sektion wurden die Organe wieder in die Leiche gepackt und der Tote ordentlich zugenäht. Das sei wichtig für die Würde des Toten, wurde den Schaulustigen im Studio und vor den Bildschirmen erklärt. Der TV-Sender Channel Four, der sonst mit Big-Brother Quote macht, hat mit der TV-Obduktion einen Publikumshammer geliefert und für von Hagen die Werbetrommel gerührt, auch wenn die öffentliche Obduktion nicht vom Gesundheitsministerium genehmigt und von der britischen Ärztegesellschaft kritisiert worden ist. angehend: toekomstig. das Gruselkabinett: griezelkamer. die Obduktion: lijkschouwing. der OP-Kittel: dokterskiel in de operatiekamer. der Hammer (hier): een geweldig iets. ruck, zuck: heel snel. der Schaulustige: kijklustige. veranstalten: organiseren. das Verfahren: procédé.