Deutsche sind tierlieb. Da bilden auch deutsche Politiker und Beamte keine Ausnahme - könnte man zumindest annehmen. In der Wirklichkeit sieht das etwas anders aus.
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Deutsche sind tierlieb. Da bilden auch deutsche Politiker und Beamte keine Ausnahme - könnte man zumindest annehmen. In der Wirklichkeit sieht das etwas anders aus. Der Umzug von Regierung und Bundesbehörden nach Berlin führte dazu, dass bedeutend mehr Tiere als sonst ausgesetzt wurden. Die Zahl der in Pflegestellen aufgenommenen Katzen lag um ein Drittel höher als im Vorjahr, gab die Bonner Vereinigung "Katzen in Not" bekannt. Hauptgrund für das massive Aussetzen der Haustiere könnte sein, dass die Beamtenfamilien in Bonn oft in Häusern mit Garten, in Berlin dagegen künftig in einer Stadtwohnung leben. Während die Anzahl der ausgesetzten Haustiere stark zunahm, wurden im Bonner Tierheim kaum Fälle registriert, bei denen Bonner Bedienstete für ihr Haustier um Asyl gebeten hätten. Anscheinend ist es einfacher ein Tier auszusetzen, als zugeben zu müssen, dass man dem Tier in Zukunft keinen angemessenen Lebensraum mehr bieten kann. Dabei scheinen die Bonner Beamten schlecht informiert zu sein, denn Berlin ist die Stadt der Hunde - die haben neben Autofahrern immer Vorrang. Das geht zumindest aus einer Studie der Technischen Universität Berlin zu den Gründen für die Berlin-Flucht hervor. In der Hauptstadt gibt es zu viele Hunde, zu viel Verkehr, zu enge Wohnungen, keine Natur und zu viel Schmutz. Anfang der neunziger Jahre hatte man noch erwartet, dass die Berliner Stadtbevölkerung bis 2010 auf vier oder fünf Millionen anwachsen werde. Ende der Neunziger setzte sich dann aber eine gegenteilige Tendenz durch: Jahr für Jahr ziehen Tausende ins Brandenburger Umland. Die Untersuchung hat ergeben, dass Berlin zu einer amerikanischen Stadt wird: Im Zentrum Glas- und Betonpaläste, drumherum die Quartiere der Einwanderer und außen eine Kulturwüste aus Einfamilienhäusern, Tankstellen und Möbelhäusern. Leider sorgen diejenigen, die vor dem Verkehr flüchten, für noch mehr Autoverkehr im Umland und in der Innenstadt, denn sie arbeiten nach wie vor in Berlin, lassen ihre Kinder dort zur Schule gehen, kaufen dort ein und besuchen in der Stadt Kulturveranstaltungen. Das Untersuchungsergebnis ist deutlich: In Berlin herrscht eine kinderfeindliche Atmosphäre, in der Hunde und Autos stets Vorrang zu haben scheinen. Und die in Deutschland bekannte krankhafte Verehrung der Hunde lasse auch für die Zukunft keine Besserung erwarten. Man dürfe sich also nicht wundern, dass viele die Stadt verlassen, sagen die Forscher.aussetzen (hier): te vondeling leggen. der Beamte: ambtenaar. die Behörde: overheid. der Forscher: onderzoeker. der Umzug: de verhuizing. die Wüste: woestijn.