"Vor fast 28 Jahren am 14. Mai 1970 entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir das Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte. Wir, das sind die, die bis zuletzt in der RAF organisiert gewesen sind.
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"Vor fast 28 Jahren am 14. Mai 1970 entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir das Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte. Wir, das sind die, die bis zuletzt in der RAF organisiert gewesen sind. Wir tragen diesen Schritt gemeinsam. Ab jetzt sind wir - wie alle anderen aus diesem Zusammenhang - ehemalige Militante der RAF (...)". So heißt es in einem bei der Nachrichtenagentur Reuters eingegangenen achtseitigen Schreiben, durch das sich die terroristische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) für aufgelöst erklärt. Das Schriftstück fand in Deutschland natürlich besondere Beachtung, denn keine terroristische Gruppe forderte den Staat mit Gewalttaten so heraus, wie die RAF. Sie wird vor allem mit den Namen Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin in Verbindung gebracht. Als Kaufhausbrandstifter Baader 1970 aus dem Gefängnis befreit wurde und untertauchte, bedeutete das den Anfang für den aus dem Untergrund heraus organisierten "bewaffneten Kampf". Dabei wurde die erste Terroristen-Generation von palästinensischen Freischärlern logistisch unterstützt und ausgebildet. Die so sehr schnell gewachsene RAF wollte die Gesellschaftsordnung nach dem ideologischen Vorbild der lateinamerikanischen Stadtguerilla gewaltsam zerstören. Der Höhepunkt der gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Terroristen und Staat war das Jahr 1977. Damals entführte und ermordete die RAF Arbeitgeberpräsident Hans-Martin Schleyer und Palästinenser brachten die Lufthansa-Maschine "Landshut" in ihre Gewalt, um die inhaftierten Terroristen Andreas Baader, Jan Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Brigitte Monhaupt freizupressen. Die Regierung unter Helmut Schmidt (SPD) gab den Forderungen nicht nach und ließ den Jet in einer gewagten Aktion in Mogadischu stürmen. Baader, Ensslin und Raspe begingen daraufhin auf bisher ungeklärte Weise in ihren Gefängniszellen Selbstmord. In den 80er Jahren machte sich dann das Abbröckeln der RAF-Basis bemerkbar, und zehn Aussteiger tauchten in die DDR ab. In den 90er Jahren war nur noch selten von der RAF zu hören, die 1992 den vorläufigen Verzicht auf Anschläge gegen führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat ankündigte. Wenn sich die RAF auch aufgrund von "strategischen Fehlern" auflöst, so hält sie doch an der "Notwendigkeit und Legitimation der Revolte" fest, denn der Brief schließt über dem fünfzackigen RAF-Stern mit der Kalaschnikow mit den Worten "Die Revolution sagt: ich war, ich bin, ich werde sein."auflösen : oplossen.