Seit mehr als drei Jahren belastet der "Fall Groer" die österreichische Kirche. Der frühere Erzbischof Hans Hermann Groer soll nämlich in den 70er und 80er Jahren Schüler und Priester sexuell mißbraucht haben. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe trat der heute 79jährige Groer 1995 von seinem Amt als Erzbischof von Wien zurück. Seine Kardinalswürde gab er jedoch nicht ab. Es folgten weitere Vorwürfe, die auch sexuelle Beziehungen mit von ihm abhängigen Erwachsenen im Kloster Gottweig in Maria Roggendorf bet...

Seit mehr als drei Jahren belastet der "Fall Groer" die österreichische Kirche. Der frühere Erzbischof Hans Hermann Groer soll nämlich in den 70er und 80er Jahren Schüler und Priester sexuell mißbraucht haben. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe trat der heute 79jährige Groer 1995 von seinem Amt als Erzbischof von Wien zurück. Seine Kardinalswürde gab er jedoch nicht ab. Es folgten weitere Vorwürfe, die auch sexuelle Beziehungen mit von ihm abhängigen Erwachsenen im Kloster Gottweig in Maria Roggendorf betrafen. Die Beweise waren erdrückend und der Kardinal siedelte schließlich in das Frauenkloster Marienfeld über - als Bischof war er aber immer noch tätig. Auf die ersten Vorwürfe sexueller Belästigung hatte die Amtskirche mit Diffamierungen reagiert, und wie so oft in solchen Fällen, wurden die Opfer öffentlich als Täter beschuldigt. Groer selbst saß fest im Kardinalssessel und ließ sich durch nichts beirren. Dem Fall wurde von österreichischen Medien aber viel Beachtung geschenkt und immer mehr Betroffene meldeten sich zu Wort. Die Kirche kam schließlich nicht mehr umhin, eine Untersuchung durchzuführen und einzelne Zeugen zu vernehmen. Für eine Schadensbegrenzung war es jedoch zu spät: 45 Prozent der österreichischen Katholiken sagten, der "Fall Groer" habe ihre Einstellung zur Kirche geändert. Die Folge waren massenhafte Kirchenaustritte. Mittlerweile distanzierten sich schließlich auch österreichische Bischöfe von Kardinal Groer. Sie baten ihn, keine bischöflichen Aufgaben mehr vorzunehmen, wie zum Beispiel Firmungen. Die Führung der katholischen Kirche österreichs wurde in Sachen Groer aber besonders aktiv, als es um die Vorbereitungen zu dem am 19. Juni beginnenden Papstbesuch in Österreich ging. Bei einem derartigen Ereignis gehören Kardinäle nämlich an die Seite des Papstes. Im "Fall Groer" wollten die Bischöfe aber auf eine schlechte Publicity verzichten und reisten noch vor Ostern in die Ewige Stadt, um von Papst Johannes Paul II. eine Entscheidung im "Fall Groer" abzuverlangen. Die kam jetzt, und Kardinal Groer gab auf Anweisung des Papstes seinen "bisherigen Wirkungskreis" auf. "In den vergangenen drei Jahren hat es zu meiner Person zahlreiche oft unzutreffende Behauptungen gegeben. Ich bitte Gott und die Menschen um Vergebung, wenn ich Schuld auf mich geladen habe", heißt es in einer öffentlichen Erklärung. Die halbherzige Entschuldigung - die kein Eingeständnis ist - kommt spät, was der Glaubwürdigkeit des österreichischen Kirchenbetriebs großen Schaden zugefügt hat.halbherzig : halfslachtig, der Vorwurf : verwijt.