Vorbei die Zeiten, wo Raucher in die Ecke gedrängt, verbannt und geächtet wurden. Wer sich in Deutschland demnächst mit der Zigarette in der Öffentlichkeit zeigt, der gibt ein politisches Statement ab. Denn wer raucht, lässt klar erkennen, dass er ein Vertreter höchster moralischer Werte ist.
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Vorbei die Zeiten, wo Raucher in die Ecke gedrängt, verbannt und geächtet wurden. Wer sich in Deutschland demnächst mit der Zigarette in der Öffentlichkeit zeigt, der gibt ein politisches Statement ab. Denn wer raucht, lässt klar erkennen, dass er ein Vertreter höchster moralischer Werte ist.Woher dieser plötzliche Sinneswandel? Ganz einfach: Die rotgrüne Regierung will mit einer Erhöhung der Tabaksteuer ihre umstrittenen Antiterrormaßnahmen finanzieren. Die dafür bei der Bundeswehr, den Nachrichtendiensten und der inneren Sicherheit entstehenden Kosten sollen sich auf drei Milliarden Mark belaufen. Die Regierung von Bundeskanzler Schröder will den geplanten Betrag jedoch nicht einfach durch Umschichtungen im laufenden Haushalt aufbringen, sondern ehrlich erwirtschaften. Und dazu soll im nächsten Jahr einfach die Tabaksteuer erhöht werden. Damit wird der Qualm einer Zigarette aufgewertet und zusätzliche vier Pfennig für die innere Sicherheit und den Frieden in der Welt wert sein. In schwierigen Zeiten versammeln sich die Menschen und demonstrieren Solidarität. So auch in Deutschland. Wenn dort ein paar Raucher zusammenstehen, kann das demnächst schon zu einem Treffen von Friedensaktivisten werden. Jeder Gang zum Zigarettenautomaten wäre dann ein wahres Solidaritätsbekenntnis und jeder Lungenzug eine echte Friedensaktion. Die Regierungsmaßnahmen zur Finanzierung des Antiterrorpakets rufen natürlich auch Kritiker aufs Parkett. Die Opposition behauptet, dass die Steuererhöhung Gift für eine schwache Konjunktur sei. Vor allem der private Konsum leide darunter.Apropos Gift: das Thema Gesundheit steht derzeit überhaupt nicht zur Debatte. Dabei dürfte auch dem deutschen Finanzministerium eine vom amerikanischen Zigarettenkonzern Philip Morris in Auftrag gegebene Studie nicht unbekannt sein. Daraus geht hervor, dass die Tschechische Republik 1999 bis zu 69 Millionen Mark gespart habe, weil ihre rauchende Bevölkerung eher gestorben ist als die nicht rauchende und damit weniger Kosten für Renten, Altenpflege und medizinische Betreuung verursacht habe.