Neben Andreas Baader gehörte Ulrike Meinhof Anfang der siebziger Jahre zu den in Deutschland gesuchtesten Terroristen.
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Neben Andreas Baader gehörte Ulrike Meinhof Anfang der siebziger Jahre zu den in Deutschland gesuchtesten Terroristen. Die Journalistin Meinhof schloss sich der ôRote Armee Fraktion" (RAF) an. 1970 half sie, den inhaftierten Andreas Baader zu befreien. Zwei Jahre später nahm sie an der ôMai-Offensive" der RAF teil. Dazu zählten Attentate auf das IG-Farben-Gebäude in Frankfurt und das Polizeipräsidium in Augsburg. Im Juni 1972 wurde Ulrike Meinhof gefasst. Vier Jahre später stand sie dann mit anderen Terroristen vor Gericht. Am 9. Mai 1976 fand man Ulrike Meinhof erhängt in ihrer Zelle in Stuttgart-Stammheim. Der damalige RAF-Anwalt Otto Schily - heute Innenminister der Bundesrepublik Deutschland - hatte dem Staat Mord an Ulrike Meinhof vorgeworfen. Zur Feststellung der genauen TodesUrsache wurde die Leiche obduziert. Eine Fremdeinwirkung konnte, so die Auffassung der ermittelnden Behörden, jedoch nicht festgestellt werden. Bei der Obduktion wurde das Gehirn aus dem Kopf entnommen und kam in die Universitätsklinik Tübingen, wo es von Professor Jürgen Pfeiffer in feine Scheibchen geschnitten und untersucht wurde. Das Gehirn wurde damals aufbewahrt, was völlig unüblich war. Eigenmächtig untersuchte der Neuropathologe das Gehirn der Terroristin weiter und befand, dass die für die Emotionen zuständige Gehirnregion mit bloßem Auge erkennbare, ungünstige Abweichungen aufweise. Diese Gehirnveränderung sei auf eine Kopfoperation, der sich Meinhof als 27-Jährige unterzogen hatte, zurück zu führen. Der Tübinger Professor stellte die These auf, dass Ulrike Meinhof aus pathologischen Gründen schuldunfähig war. Zur Bekräftigung seiner These übergab er 1997 das Gehirn Meinhofs seinem Magdeburger Kollegen und Hirnforscher Bernhard Bogerts. Der soll das Gehirn angeblich mit dem eines wahnhaften Vielfachmörders aus dem Jahre 1913 verglichen haben, um zu beweisen, dass der Folgeschaden von Meinhofs Operation ihre politische Biografie beeinflusst hat. Laut Bogerts müsse die Terroristin Probleme mit ihrer emotionalen Steuerung gehabt und an einer erhöhten und unkontrollierbaren Aggressivität gelitten haben. Zudem habe es ihr wohl auch an einer adäquaten Realitätsinterpretation gefehlt. Nach den dubiosen Untersuchungen an einem nicht ordnungsgemäß in die Hände von übereifrigen Wissenschaftlern gelangten Gehirns hat eine Tochter von Ulrike Meinhof Anzeige wegen Störung der Totenruhe erstattet. Inzwischen wurde das ein- geäscherte Gehirn von Ulrike Meinhof in ihrem Grab beerdigt. Der Wahnsinn um Hirn und Mythos deutscher Terroristen ist damit noch nicht beendet. 25 Jahre nach dem mutmaßlichen Selbstmord der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe musste das Universitätsklinikum Tübingen einräumen, dass die ohne Wissen der Angehörigen aufbewahrten Gehirne der drei Terroristen spurlos verschwunden seien. einäschern: cremeren. einräumen (hier): toegeven. die Fremdeinwirkung: invloed van derden. das Gehirn: hersenen. obduzieren: lijkschouwing verrichten. ordnungsgemäß: zoals voorgeschreven. das Polizeipräsidium: hoofdbureau van politie. schuldunfähig: ontoerekeningsvatbaar. die Steuerung (hier): beheersing. sich einer Operation unterziehen: geopereerd worden. unüblich: ongewoon. wahnhaft: paranoïde.