Der 1975 verstorbene Kugellagerfabrikant Georg Schäfer (FAG Kugelfischer) hat im Laufe seines Lebens mehrere Tausend Gemälde und Graphiken von Künstlern wie Carl Spitzweg, Caspar David Friedrich und Max Liebermann zusammengetragen. Dem Vermächtnis des Schweinfurter Industriellen gemäß sollte die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, denn immerhin war in seinem Haus die bedeutendste Privatsammlung...

Der 1975 verstorbene Kugellagerfabrikant Georg Schäfer (FAG Kugelfischer) hat im Laufe seines Lebens mehrere Tausend Gemälde und Graphiken von Künstlern wie Carl Spitzweg, Caspar David Friedrich und Max Liebermann zusammengetragen. Dem Vermächtnis des Schweinfurter Industriellen gemäß sollte die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, denn immerhin war in seinem Haus die bedeutendste Privatsammlung der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts entstanden. Die Erben Schäfers taten sich mit dem Willen des Verstorbenen jedoch schwer. Erst Ende der 80er Jahre wollten sie die Kunstwerke ?zu gegebener Zeit? in eine Stiftung einbringen, aber auch nur dann, wenn die Stadt entsprechende Räume zur Verfügung stelle. In Schweinfurt war man an dem Projekt interessiert, denn schließlich ist die Sammlung auch ein Touristenmagnet und kann ?auf dem Feld der Kunst internationales Niveau erreicht werden?, so der Verantwortliche bei der Stadtvervaltung. Alles lief bestens, ein Architekt wurde gefunden und die 45 Millionen Mark für die Finanzierung des Bauvorhabens sollten von Stadt und Staat übernommen werden. Kurz vor Baubeginn wurde das vielversprechende Projekt jedoch fallen gelassen, denn der Schweinfurter Konzern FAG Kugelfischer kam in eine schwere Krise, und die Erben die Hauptaktionäre des Konzerns zogen ihr Stiftungsangebot zurück, um die Gemälde als Sicherheit für die Konzernschulden zu verwenden. Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Sammlung waren also durchaus berechtigt. Jetzt steht endlich fest, daß die Gemälde aus der Privatsammlung statt auf den Markt in ein Museum kommen. Die Voraussetzungen dazu werden in einem hochkomplizierten Vertragswerk zwischen Stadt, Staat und der Familie Schäfer festgehalten. Wie die Sammlung in einer Schweinfurter Bauruine untergebracht werden soll, steht nocht nicht fest, denn im Oktober soll ein neuer Architektenwettbewerb europaweit ausgeschrieben werden. Kunstfreunde freuen sich jetzt bereits auf das ?Museum Georg Schäfer?. Auktionshäuser bedauern, daß die Schätze nicht unter ihren Hammer kommen. Sammler deutscher Malerei aus dem 19. Jahrhundert sind erleichtert, hätte der Verkauf der gesamten Sammlung doch stark fallende Preise herbeigeführt. einen Wettbewerb ausschreiben : een wedstrijd uitschrijven, bedauern : betreuren, das Gemälde : schilderij, unter den Hammer kommen : publiek verkocht worden, die Stiftung : stichting, das Vermächtnis : testament.