Nach über 60 Jahren interessieren sich deutsche Bühnen plötzlich für die Ehefrauen von Nazi-Machthabern. 1993 sollte ?Magda? das Publikum für die Psyche von Goebbels' mörderischer Frau interessieren. 1994 wurde im Berliner Maxim Gorki Theater ?Emmy Göring an der Seite ihres Mannes? aufgeführt. Als bisher letzte der Nazidamen wurde im Dezember 1996 auch noch Eva Braun auf die Bühne des von Bertolt Brecht gegründeten Berliner Ensembles gerufen. So bedeutungslos wie ...

Nach über 60 Jahren interessieren sich deutsche Bühnen plötzlich für die Ehefrauen von Nazi-Machthabern. 1993 sollte ?Magda? das Publikum für die Psyche von Goebbels' mörderischer Frau interessieren. 1994 wurde im Berliner Maxim Gorki Theater ?Emmy Göring an der Seite ihres Mannes? aufgeführt. Als bisher letzte der Nazidamen wurde im Dezember 1996 auch noch Eva Braun auf die Bühne des von Bertolt Brecht gegründeten Berliner Ensembles gerufen. So bedeutungslos wie Eva Braun für die Geschichtsschreibung war, so wurde auch das Stück ?Eva Hitlers Geliebte? von Kritikern zensiert und sogar als ?brauner Beziehungsmist? und ?braune Scheiße? verrissen. Nachdem sich auf der Bühne eingehend mit den Frauen der Nazi-Machthaber beschäftigt wurde, will man sich jetzt auf der Leinwand um die menschlichen Züge des faschistischen Großmeisters Adolf Hitler bemühen. Der Niederländer Paul Verhoeven, dem seit seinem Kassenschlager ?Basic Instinct? in Hollywood alle Türen offenstehen, plant einen Film über den Diktator. Dieser sei zwar ein Monstrum, aber auch liebenswürdig gewesen ein Mann mit Charisma. ?Man sollte darüber nicht vergessen, daß die ganze deutsche Nation, aber auch die Holländer, die Belgier und die Franzosen für diesen Kerl eine Weile viel übrig hatten. 60 Millionen Menschen wurden weitgehend verführt. Es ist wichtig zu sehen, was ein Kerl anrichten kann, den die Leute mögen?, so Verhoeven. Sein Film will das Leben des faschistischen Vegetariers und Tierfreunds vom Münchner Putschversuch 1923 bis zum Doppelselbstmord mit Eva Braun im Führerbunker wiedergeben. Aber nicht nur Verhoeven plant einen Hitler-Film, auch Rambo-Regisseur Ted Kotcheff will des Diktators Lebensgeschichte in ?The Populist? auf Zelluloid bannen. Dafür mußte er bereits starke Kritik hinnehmen, nicht nur von Seiten der amerikanischen Anti-Defamation League, sondern auch von dem im britischen Unterhaus vertretenen Sprecher von Großbritanniens Juden. Er denkt, daß Hollywood den Neo-Nazis mit dem Film so oder so Vorschub leistet, und daß es sowieso ein Ding der Unmöglichkeit ist, über diesen Mann einen Film zu machen. Wenn das Thema auch immer noch ein heißes Eisen ist, so marschiert Adolf Hitler seit dem ?Großen Diktator? (1940) mit Charlie Chaplin doch regelmäßig über die Kinoleinwand und wurde von Größen wie Peter Sellers und Alec Guinness dargestellt, wenn auch nicht als ?normaler Mensch?. Es stellt sich allerdings die Frage : Warum dieser plötzliche Zwang, die menschliche, ?normale? Seite des Faschismus zu zeigen, und wen interessiert das ? Wie dem auch sei, der Name Hitler ist noch immer die beste Garantie für eine gigantische kostenlose Werbeaktion. die Größe : prominent figuur, hinnehmen : accepteren, der Kassenschlager : kassucces. Der Adolf : ein Monstrum mit Charisma.