Erst war überall nur vom Streit um das Schweizer "Nazigold" die Rede. Im Laufe der Untersuchungen, Bekanntmachungen und Diskussionen wurde dann jedoch vom Streit über die Rolle der Schweiz als Finanzplatz Hitler-Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs gesprochen. Das Problem wurde demnach ausgedehnt und ist zur Zeit weit von einer Lösung entfernt.
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Erst war überall nur vom Streit um das Schweizer "Nazigold" die Rede. Im Laufe der Untersuchungen, Bekanntmachungen und Diskussionen wurde dann jedoch vom Streit über die Rolle der Schweiz als Finanzplatz Hitler-Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs gesprochen. Das Problem wurde demnach ausgedehnt und ist zur Zeit weit von einer Lösung entfernt. Die Anwälte der US-Sammelkläger und der Jüdische Weltkongreß fordern von Schweizer Banken für vereinnahmtes Gut von Holocaust-Überlebenden und -Opfern eine Pauschalentschädigung. Die Schweizer Geldhäuser wollten das leidliche Thema nun auch endlich vom Tisch schaffen und boten den Klägern öffentlich 600 Millionen Dollar an - und zwar als "letztes Angebot". In Übersee war man über dieses Angebot verärgert, zumal man 1,5 Milliarden Dollar gefordert hatte und die Schweizerische Nationalbank wegen ihres Handels mit Nazi-Raubgold in die pauschale Entschädigungsregelung einbeziehen wollte. Da man sich in den USA nicht so einfach abspeisen ließ, hatten mehrere US-Bundesstaaten und die Stadt New York gedroht, alle Geschäfte mit Schweizer Banken zu boykottieren. Das war dann doch zuviel Druck für den Tellschen-Geist und die Eidgenossen riefen zum Gegenboykott auf. Es seien "sämtliche amerikanischen und jüdischen Waren, Res taurants und Ferienangebote so lange zu boykottieren, bis diese gemeinen, völlig ungerechtfertigten Angriffe aufhören", forderte die rechtsnationale Partei "Schweizer Demokraten". In Anzeigen werde sie die Namen von US- Firmen in der Schweiz veröffentlichen und zum Boykott aufrufen. Dieser Appell erinnerte dann doch ganz frappant an die geschichtsträchtige Parole: "Kauft nicht bei Juden!". Allgemein war man im Alpenland nicht sonderlich über die Hetze entrüstet und war man eher der Meinung, der "Kleinstaat" Schweiz dürfe sich durch die Großmacht "nicht erpressen lassen". Außerdem erklärten die Schweizer sich in Umfragen mehrheitlich dazu bereit, auf US-Waren wie Coca-Cola verzichten zu wollen. Statt sich in eine pauschale Entschädigungsregelung einbeziehen zu lassen, will die Regierung lieber 500 Tonnen Gold der Nationalbank als "Solidaritätsstiftung" für soziale Hilfsprojekte im In- und Ausland verwalten. Die Eidgenossen müssen aber noch in einem Referendum über die Einrichtung dieser Stiftung entscheiden.ausdehnen: uitstrekken, drohen: dreigen, die Stiftung: stichting, die Umfrage: enquête.