Karlheinz Stockhausen ist nicht nur Komponist, sondern auch Phonetiker, Physiker und Mathematiker. Wenn sich jemand eingehend mit moderner Musik beschäftigt, dann ist er es. Als Künstler und Wissenschaftler hat er umfangreiche, zusammenhängende, logisch aufeinander bezogene Gesamt-Ton-Klang-Geräusch-Welten geschaffen. Der 73-Jährige ist kein Produzent von Oberflächlichem oder Leichtverdaulichem _ auch heute nicht.
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Karlheinz Stockhausen ist nicht nur Komponist, sondern auch Phonetiker, Physiker und Mathematiker. Wenn sich jemand eingehend mit moderner Musik beschäftigt, dann ist er es. Als Künstler und Wissenschaftler hat er umfangreiche, zusammenhängende, logisch aufeinander bezogene Gesamt-Ton-Klang-Geräusch-Welten geschaffen. Der 73-Jährige ist kein Produzent von Oberflächlichem oder Leichtverdaulichem _ auch heute nicht.Beim Hamburger Musikfest sollte Stockhausen eigene Werke dirigieren, unter anderem 'Freitag' aus seinem siebenteiligen 'Licht'-Zyklus. In dem 1977 begonnenen Zyklus, einer gigantomanischen Schöpfungsgeschichte, sucht Stockhausen den Kampf zwischen den Elementarmächten Gut und Böse am allegorischen Beispiel von Eva, Luzifer und dem Erzengel Michael darzustellen.Diese Konzerte wurden abgesagt, nachdem der Komponist bei einem Pressegespräch zu dem Angriff auf das World Trade Center befragt, mitgeteilt hatte: 'Was da geschehen ist, ist _ jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen _ das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat.'Die Folgen dieser Aussage ließen nicht lange auf sich warten. Stockhausen wurde sofort zum Unmenschen und weltfremden Spinner erklärt. Für die Kultursenatorin Christina Weiss ist die künstlerische Bedeutung seiner Werke unbestritten, aber in der gegenwärtigen Situation verstehe die Öffentlichkeit die Bedeutung von Stockhausens Äußerung nicht.Stockhausen hat die Attentate nicht verherrlicht und den Begriff 'Kunstwerk' ästhetisch und nicht moralisch gemeint. Der Künstler erklärte sofort nach seiner Äußerung: 'Wenn sich irgendjemand verletzt fühlt durch meine Äußerungen, dann bitte ich um Verzeihung, denn ich habe nie gefühlt oder gedacht, was in meine Worte hineingelegt worden ist.' Er habe gesagt, solch eine Terror-Planung 'erschiene wie das größte Kunstwerk Luzifers'. Er habe damit selbstverständlich das Zerstörungswerk Luzifers gemeint.Das, was Stockhausen analysierte und in Worte fasste, wird der Öffentlichkeit nach dem schrecklichen Massenmord zum Beispiel in Form von Fotografien wie Bilder Caspar David Friedrichs präsentiert _ und niemand schimpft über die 'schönen' Fotos.