Es ist so weit! Nach jahrzehntelanger Pause wollen sich Deutsche nicht mehr 'nur mit gebeugtem Haupt und gebücktem Gang bewegen dürfen', wie der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte, nein, die Deutschen wollen endlich wieder öffentlich stolz darauf sein, Deutsche zu sein.
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Es ist so weit! Nach jahrzehntelanger Pause wollen sich Deutsche nicht mehr 'nur mit gebeugtem Haupt und gebücktem Gang bewegen dürfen', wie der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte, nein, die Deutschen wollen endlich wieder öffentlich stolz darauf sein, Deutsche zu sein. Den Startschuss für das plötzlich ausgebrochene, besonders ausgeprägte Selbstwertgefühl hatte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer mit seinem Bekenntnis gegeben: 'Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein'. Dieser Satz, den sich Skinheads schon lange als Leitmotiv auf T- Shirts drucken, stieß bei Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) nicht auf taube Ohren. In einem Interview erklärte er: 'Laurenz Meyer hat die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen'. Die verbale Entgleisung Trittins kam der CDU kurz vor den Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wie gerufen, lenkte sie doch mit der medienwirksamen Debatte um die Identität der Deutschen von den Rangeleien innerhalb der Partei ab und rückte Bundeskanzler Schröder und seinen grünen Minister in ein unpatriotisches Licht. Der Kanzler war in der Tat 'not amused', wie sein Regierungssprecher mitteilte, und legte Trittin nahe, sich 'schlicht zu entschuldigen'. Der Umweltminister, der Meyer und seiner Partei deutschtümelnde Töne vorgeworfen hatte, ließ sich von seinem Sprecher knapp bei Laurenz Meyer entschuldigen. Als Privatmann nahm dieser die Entschuldigung an, als CDU-Generalsekretär forderte er jedoch die unverzügliche Entlassung Trittins als Umweltminister. Dabei hatte Meyer wohl vergessen, dass er selbst auch keine weiße Weste trägt: Erst im Januar hatte er ein CDU-Wahlplakat vorgestellt, das Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Profil von links und rechts und von vorne in der Verbrecherkartei zeigte. Der kriminelle Bundeskanzler sollte nur einen Tag lang für die Opposition auf Stimmenfang gehen, dann musste sich die CDU eingestehen, dass diese Art der Wahlwerbung anrüchig ist. Sie ließ die voller Stolz präsentierten Wahlplakate wieder einstampfen und kam nicht umhin, sich bei Kanzler Schröder zu entschuldigen.anrüchig: aanstootgevend. ausgeprägt: uitgesproken, ontwikkeld. die Deutschtümelei: gedweep met alles wat Duits is. entgleisen (hier): zich vergalopperen. die Kartei: register. nahelegen: nadrukkelijk aanraden. auf taube Ohren stoßen: op dovemansoren stuiten. die Rangelei: geruzie. schlicht: eenvoudig(weg). unverzüglich: onmiddellijk. das Wahlplakat: verkiezingsaffiche. eine weiße Weste tragen: van onbesproken gedrag zijn.