In Deutschland wurde darüber debattiert, ob sich die PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), die Nachfolgerin der früheren DDR-Staatspartei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) für den Bau der Mauer entschuldigen müsse. Das Gerangel um die Entschuldigung hat die Partei selbst in eine Identitätskrise gestürzt. Dort ist nämlich die Ansicht weit verbreitet, dass die Mauer zur Friedenssicherung in Europa beigetragen hat und nötig war, um die DDR und ihre Bürger vor der Ausplünderung...

In Deutschland wurde darüber debattiert, ob sich die PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), die Nachfolgerin der früheren DDR-Staatspartei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) für den Bau der Mauer entschuldigen müsse. Das Gerangel um die Entschuldigung hat die Partei selbst in eine Identitätskrise gestürzt. Dort ist nämlich die Ansicht weit verbreitet, dass die Mauer zur Friedenssicherung in Europa beigetragen hat und nötig war, um die DDR und ihre Bürger vor der Ausplünderung durch den Westen zu schützen. Davon hat sich Gregor Gysi, früherer Vorsitzender der Partei, PDS-Spitzenkandidat für die Berliner Wahlen und charismatischer Redner, jetzt entschieden distanziert. Er erklärte, der Mauerbau sei nicht entschuldbar. Wer solle das denn entschuldigen, schließlich sei eine Entschuldigung persönlich und nicht kollektiv. Entschuldigen könnte sich höchstens ein Verantwortlicher der Grenztruppen, meinte er. Gysi verurteilte die Mauer als antisozialistisch, antidemokratisch antiemanzipatorisch. Es sei unannehmbar, dass ein Staat auch nur einem einzigen Bürger vorschreibe, wo er sein Leben zu verbringen habe. Wer das nicht akzeptiere, habe keine vernünftige Einstellung zum Individuum und seinen Freiheitsrechten. Mit diesen Erklärungen machte sich Gysi zwar nicht bei allen Parteigenossen beliebt, hat aber klar und deutlich die offizielle Gesinnung seiner Partei skizziert. Das war auch bitter nötig, da der PDS der Ruf einer nicht eindeutig demokratischen Partei anhaftet. In einer Erklärung und keiner Entschuldigung hat der Parteivorstand den Mauerbau nun den 'in Beton gegossenen Nachweis der Unterlegenheit des stalinistisch geprägten Sozialismustyps in der DDR' genannt. Vor allem im Westen Deutschlands wurde nach einer Entschuldigung für den Mauerbau verlangt. Warum eigentlich? Stammen die Opfer der Mauer doch beinahe ausnahmslos aus dem Osten. Westdeutsche konnten sich in der BRD und über deren Grenzen hinaus frei bewegen und auch die DDR besuchen. Sie verlangen von der PDS eine Entschuldigung, obwohl sich bei ihnen überhaupt nicht entschuldigt werden muss. Es geht bei der ganzen Diskussion im Grunde nicht um eine Entschuldigung, sondern vielmehr um Unrecht und Verantwortung im System der DDR. Die wirklichen Opfer und Betroffenen des politischen Instruments namens Mauer, sind kaum an einer Entschuldigung interessiert. Sie fordern vielmehr eine gründliche Aufarbeitung von DDR-Unrecht. Die macht den Deutschen jedoch tüchtig zu schaffen.die Wahlen: verkiezingen. tüchtig (hier): flink.