J osé Carreras, Placido Domingo und Luciano Pavarotti besser bekannt unter dem Markennamen ?Die 3 Tenöre? tingeln durch Deutschland. Anfang August gastierten Sie in München und ließen 65 000 Zuschauer ins Olympiastadion strömen. Das Publikum wurde nach alter Manier in drei Klassen aufgeteilt.
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J osé Carreras, Placido Domingo und Luciano Pavarotti besser bekannt unter dem Markennamen ?Die 3 Tenöre? tingeln durch Deutschland. Anfang August gastierten Sie in München und ließen 65 000 Zuschauer ins Olympiastadion strömen. Das Publikum wurde nach alter Manier in drei Klassen aufgeteilt. Da gab es erst einmal die 2.400 VIPs erster Klasse, die bis zu 1.800 Mark (36.000 F) hinblätterten und dafür Champagner, Parfümpröbchen, Sitzkissen, Fernglas und ein Galamenü von Deutschlands Meisterkoch Witzigmann geboten bekamen Konzert inklusive. Weitere 2.300 Zuhörer mußten 1.100 Mark (22.000 F) auf den Tisch legen, um zu den VIPs zweiter Klasse gehören und nach dem Stadionbesuch das Buffet stürmen zu dürfen. Die restlichen Zuhörer zahlten nur zwischen 90 (1.800 F) und 750 Mark (15.000 F) und gaben sich mit den goldenen Stimmen der drei Herren zufrieden. Diese Stimmen wurden im Münchner Olympiastadion vom Trommelfell der Zuhörer natürlich nicht gerade kristallklar aufgenommen. Der Kauf einer CD wäre sowohl akustisch als auch finanziell eine vernünftigere Investition gewesen. Außerdem wurde den Zuhörern die ihre drei Lieblinge entweder als Ameisen auf der Bühne oder als virtuelle Realität auf dem Video-Großschirm bestaunen konnten in Sachen Choreographie nichts geboten. Abgesehen von einigen Umarmungen der drei Kollegen schaffte Herr Pavarotti es gerade noch, mit dem Schweißtuch zu winken. Da das Publikum tüchtig blechen mußte, um den drei Herren die Gage von je 1 Million Mark (20 Mio F) finanzieren zu können, wollte das Trio sich nicht lumpen lassen und bot von der Arie über die Kanzone bis hin zum Medley amerikanischer Schnulzen alles, was den Geschmack eines breiten Publikums nur treffen kann. Und der wurde mit dem musikalischen Höhepunkt ?O Sole Mio? voll getroffen. Das ganze glich sehr stark dem Schnelldurchlauf einer volkstümlichen Hitparade. Wer wie Helmuth und Hannelore Kohl nebst Nachwuchs die zweieinhalb Stunden im Regen und bei einer Temperatur von zwölf Grad überstanden hatte, konnte dann nach dem Konzert noch Tenor-Uhren, Tenor-Telefonkarten, Tenor-Spieldosen (O Sole Mio) usw. als Andenken an diesen einzigartigen Abend erstehen. Ein Vergleich zwischen ?The 3 Tenors? und der Fußball Bundesliga zwingt sich praktisch auf, denn egal, wer von beiden im Olympiastadion zu bestaunen ist, den Stars beider Events werden Mega-Gagen gezahlt, und auch das Verlangen des Publikums nach Masse wird in beiden Fällen befriedigt. die Ameise : mier, blechen : dokken, bestaunen : met bewondering kijken naar, hinblättern : op tafel leggen (van papiergeld), gastieren : als gast optreden, der Markenname : merknaam, der Nachwuchs (hier) : kroost, die Schnulze : smartlap, die Umarmung : omhelzing, vernünftig : verstandig.