Der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann hat sich zu Wort gemeldet. Er hat die deutsche Friedensbewegung wegen ihres bedingungslosen Neins zum Irak-Krieg scharf kritisiert.
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Der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann hat sich zu Wort gemeldet. Er hat die deutsche Friedensbewegung wegen ihres bedingungslosen Neins zum Irak-Krieg scharf kritisiert. Biermanns Vater starb als Kommunist jüdischer Abstammung in Hitlers KZ. In der DDR avancierte der Schriftsteller Biermann zu einem ungeliebten Zeitgenossen und wurde ausgebürgert. Auch heute, mit 66 Jahren, umgibt ihn noch die Aura des unbequemen DDR-Künstlers. In dem Magazin "Spiegel" begrüßte Biermann den militärischen Druck auf Saddam Hussein. Die "wohlfeile Wut" auf die USA habe die Deutschen auf "makabre Weise" in ein "einig Volk von Hurra-Pazifisten" verwandelt. Es seien alles naive Friedensengel, die sich um die wahren und realpolitischen Fragen dieser Welt herumdrücken würden. Die meisten Deutschen hätten offenbar vergessen, dass sie die Befreiung vom Hitler-Regime und auch die nationale Einheit den Armeen der Alliierten zu verdanken haben. Für Biermann scheint ein Krieg die einzige Lösung in dem Irak-Konflikt zu sein. Ein Wirtschaftsembargo habe ja auch nichts gebracht. Das Elend der armen Leute in solch einem Land werde nur noch vergrößert. Die einzigen Nutznießer der Wirtschaftssanktionen gegen den Irak seien Saddam Hussein und seine feudalfaschistischen Militärschranzen. Das Öl fließe weiter und auch die Milliarden würden weiterhin in dieselben Taschen fließen. Die Verblödung, Fanatisierung und Einschüchterung ihres Volkes gelänge solchen gebrandmarkten Unterdrückern unter dem Druck des Embargos noch totaler. Die Logik solcher Überlegungen zwinge zur Konsequenz eines Krieges der demokratischen Welt gegen den Machthaber in Bagdad. Der "Alt-DDR-Unbequeme" Biermann hat mit seiner Kritik an der deutschen Friedensbewegung an Glaubwürdigkeit verloren. Er scheint nicht darüber informiert zu sein, dass es viele BürgerInnen gibt, die neben der Wahrnehmung ihres Demonstrationsrechts auch in Menschenrechtsorganisationen, kirchlichen Dritte-Welt-Gruppen und anderen humanitären Organisationen stark engagiert sind. ausbürgern: staatsburgerschap ontnemen. begrüßen: toejuichen. einschüchtern: bang maken. das KZ (Konzentrationslager): concentratiekamp. der Nutznießer: degene die voordeel heeft. die Schranze: vleier, flikflooier. sich zu Wort melden: het woord vragen. unbequem: lastig. die Verblödung: afstomping. verlogen: leugenachtig, onwaarachtig. die Wahrnehmung: het gebruik maken van. das Wirtschaftsembargo: economisch embargo. wohlfeil: goedkoop.