Für die Deutschen bricht eine Welt zusammen. Schon immer waren sie davon überzeugt, ihr Bildungssystem, Abitur und Bildungsstand bliebe von anderen Ländern unerreicht. Doch jetzt steht fest, dass es gar nicht so weit her ist mit dem viel gerühmten deutschen Abitur.
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Für die Deutschen bricht eine Welt zusammen. Schon immer waren sie davon überzeugt, ihr Bildungssystem, Abitur und Bildungsstand bliebe von anderen Ländern unerreicht. Doch jetzt steht fest, dass es gar nicht so weit her ist mit dem viel gerühmten deutschen Abitur.Für diesen Schock sorgte die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) durchgeführte Pisa-Studie (Programme for International Student Assessment), an der sich weltweit 250 000 SchülerInnen aus 32 Industrieländern beteiligten. Die Leistungsstudie testete die schulische Kompetenz in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) beteiligten sich rund 50 000 SchülerInnen an 1500 Schulen an dem Test und landeten auf den hinteren Plätzen. Beim Leseverständnis nahmen sie nur Platz 21 bis 25 ein. Im Bereich Mathematik-Grundausbildung kamen sie auf Rang 20 bis 22 und in den Naturwissenschaften auf Platz 19 bis 23.Die von der OECD veröffentlichten Ergebnisse erschütterten das ganze Land und es dauerte nicht lange bis Schuldzuweisungen ausgesprochen wurden. Die Eltern beschuldigen die Lehrer. Die Lehrer beschuldigen die Politiker und die sagen, sie könnten nichts tun, denn schließlich hätten sie kein Geld. Das miserable Abschneiden Deutschlands beim weltweit größten Schülertest zeigt, dass das deutsche Bildungssystem nicht wirksam ist und verstärkte Erziehungsanstrengungen des Staates - auch zugunsten sozial benachteiligter Kinder - verlangt werden müssen, denn die Bildung der Gegenwart ist die Gestaltung der Zukunft.Eine bessere und gerechtere Bildung der Jugendlichen geht jedoch nicht nur vom Staat aus. So zeigt eine Begleitbefragung der Pisa-Studie auf, dass deutsche Eltern weitaus weniger mit ihren Kindern über Schule und vor allem über persönliche Dinge reden als Eltern in anderen Industriestaaten. In der BRD reden nur 40 Prozent der Eltern regelmäßig über die schulischen Leistungen ihrer Kinder. In Italien sind das mehr als 80 Prozent, und der OECD-Durchschnitt liegt bei 51,2 Prozent. Und auch das Interesse deutscher Eltern an ihren Kindern ist nicht besonders groß: nur 41,2 Prozent finden regelmäßig Zeit für ein persönliches Gespräch mit den "Kids". Italien ist da mit 86 Prozent der Spitzenreiter unter den reichen Ländern.Die Schulstudie Pisa war für Deutschland ein Fiasko. Sie hat gezeigt, dass Staat und Eltern bei der Erziehung der Kinder versagen. Jetzt soll die Ganztagsschule plötzlich die ideale Lösung für die Misere sein.