Auch der Weltstar Marlene Dietrich wird in Deutschland gerne als Deserteur abgetan. Die Schauspielerin war 1930 aufgrund von Filmangeboten von Berlin nach Hollywood gezogen und Versuche, sie nach 1933 für Dreharbeiten nach Deutschland zurückzuholen, lehnte sie ab. Sie nahm klar Stellung gegen das Hitler-Deutschland, erhielt einen amerikanischen Pass und trat vor Truppen der US-Army auf. Viele Deutsche werfen Marlene Dietrich vor, dass sie im Krieg nicht auf deutscher Seite stand, sondern die Amerikaner im Kampf gegen das "Drit...

Auch der Weltstar Marlene Dietrich wird in Deutschland gerne als Deserteur abgetan. Die Schauspielerin war 1930 aufgrund von Filmangeboten von Berlin nach Hollywood gezogen und Versuche, sie nach 1933 für Dreharbeiten nach Deutschland zurückzuholen, lehnte sie ab. Sie nahm klar Stellung gegen das Hitler-Deutschland, erhielt einen amerikanischen Pass und trat vor Truppen der US-Army auf. Viele Deutsche werfen Marlene Dietrich vor, dass sie im Krieg nicht auf deutscher Seite stand, sondern die Amerikaner im Kampf gegen das "Dritte Reich" unterstützte. Dafür war die Dietrich immer wieder als Vaterlandsverräterin diffamiert worden. Sie lehnte Auftritte in Deutschland ab und setzte jahrzehntelang keinen Fuß auf deutschen Boden.Zum 100. Geburtstag von Marlene Dietrich werden jetzt in Berlin, der Geburtsstadt des Weltstars, Galas, Retrospektiven und Ehrungen veranstaltet. Bundespräsident Johannes Rau und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ließen Kränze am Grab der 1992 in Paris gestorbenen und in Berlin begrabenen Diva niederlegen und der Berliner Senat entschuldigte sich sogar für die unglaublich bösartigen Anfeindungen, denen der Star 1960 bei seinem Berlin-Besuch ausgesetzt gewesen war. Die steile Karriere der Filmdiva begann mit dem "Blauen Engel" und ihrer Interpretation des Songs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Sie provozierte modische Skandale und machte mit ihren zahllosen Affären mit Frauen wie mit Männern von sich reden. Dem Zufall wurde nichts mehr überlassen, mit preußischer Disziplin herrschte sie über Filmaufnahmen und Pressearbeit. "Mein Privatleben geht niemanden etwas an", sagte sie und geizte mit Interviews und persönlichen Informationen. Unentwegt baute und feilte sie an ihrem Image. Ein Mythos wurde geschaffen. Geheimnisvoll, mächtig, schön war sie - die Ikone der unabhängigen, selbstbewußten Frau.Nach ihrer Filmkarriere trat die lebende Legende als Sängerin auf die Bühne. Singen konnte sie zwar nicht, dafür bezauberte sie aber ihr Publikum mit Sprechgesang und geistreichen Storys. Wenn der Weltstar im anliegenden, fleischfarbenen und perlenbesetzten Abendkleid und dem über die Schultern fallenden legendären Schwanenfedermantel auf der Bühne erschien und Lieder wie "Johnny wenn du Geburtstag hast" sang, blieb dem Publikum das Herz stehen. Nach einem Sturz verabschiedete die Diva sich 1975 vom Showgeschäft, zog sich in ihre Pariser Wohnung zurück und brach jeden Kontakt mit der Außenwelt ab.Bis zu ihrem Tod war sie Deutschland als dem Land ihrer Muttersprache eng verbunden und sah ihren Kampf gegen das Land der Nationalsozialisten als ihre bleibende Lebensleistung an.Foto 3