Bei Schwangerschaftsabbrüchen brauchen deutsche Frauen einen Beratungsschein. Der wird in einer Schwangerenkonfliktberatung ausgestellt. Die meisten solcher Beratungsstellen werden von der katholischen Kirche betrieben, doch der Papst wollte damit Schluß machen. Beratungsstellen wird es zwar noch geben, aber der Papst verlangt auf dem Beratungsschein einen Zusatz, nach dem dieser nicht für straffreie Abtreibungen verwendet werden kann.
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Bei Schwangerschaftsabbrüchen brauchen deutsche Frauen einen Beratungsschein. Der wird in einer Schwangerenkonfliktberatung ausgestellt. Die meisten solcher Beratungsstellen werden von der katholischen Kirche betrieben, doch der Papst wollte damit Schluß machen. Beratungsstellen wird es zwar noch geben, aber der Papst verlangt auf dem Beratungsschein einen Zusatz, nach dem dieser nicht für straffreie Abtreibungen verwendet werden kann. Während Staat und Kirche ihren Kampf um den Beratungsschein fortsetzen, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte jetzt die viel diskutierte Abtreibungspille Mifegyne für Deutschland zugelassen. Schwangerschaftsabbrüche mit dieser Pille unterliegen denselben Regeln wie andere Abtreibungen: Es muß ein Beratungsschein vorgelegt werden. Die früher unter dem Namen RU 468 bekannte Pille sei für Abbrüche bis zum 49. Schwangerschaftstag wirksam. Ab Oktober bringt der französische Hersteller die Pille zu einem Preis von etwa 130 DM auf den deutschen Arzneimittelmarkt. Das Mittel wird allerdings nicht frei verkäuflich sein, sondern darf nur an Fachärzte und Kliniken geliefert werden. Ursprünglich wollte die deutsche Firma Hoechst das Mittel über eine französische Tochter herstellen und vertreiben lassen. Aufgrund heftiger Proteste von Abtreibungsgegnern in den USA zog sich der Konzern dann jedoch aus dem Projekt zurück. Der Hersteller der Pille hat auch die Zulassung für Österreich, Belgien, Dänemark, Spanien, Finnland, Griechenland und die Niederlande beantragt. In Frankreich wurde die RU 468 bereits vor rund zehn Jahren eingeführt und ihre Verabreichung vom Staat mit klaren Bedingungen versehen, so daß ihre Einnahme nicht zu einem banalen Akt degradierte. In Deutschland wird die Zulassung der Pille heftig kritisiert. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner lehnte die Einführung der Pille stellvertretend für die katholische Kirche in Deutschland ab. Anders sieht es bei der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) aus. Theologin und Bischöfin Margot Käßmann von der evangelisch-lutherischen Landeskirche von Hannover begrüßte die Zulassung der Pille, denn schließlich werde die körperliche Belastung für die Frauen bei einem Schwangerschaftsabbruch mit diesem Präparat deutlich herabgesetzt.die Abtreibung: abortus. beantragen: aanvragen. begrüßen (hier): toejuichen. heftig: hevig. der Hersteller: producent. klar (hier): duidelijk. körperlich: lichamelijk.